Venenerkrankungen – Mit Wissen dem Blutstau vorbeugen

Venenerkrankungen sind in Deutschland weit verbreitet und können zu Beschwerden führen, wenn sie nicht richtig erkannt und behandelt werden.

Venen: Blutgefäße mit Power

Venen bilden den Teil der Blutbahnen, der das sauerstoffarme Blut zu der Kammer des Herzens führt. Von dieser gelangt es in die Lunge, um dort erneut mit Sauerstoff angereichert zu werden. Dabei transportieren die Blutgefäße täglich ca. 7.000 Liter Blut zum Herzen. Eingelagert in die kleinen und mittelgroßen Venen ist ein Klappensystem, das nach dem Prinzip eines Rückschlagventils funktioniert. Das Blut, das die Venenklappe bereits durchströmt hat, wird so am Entweichen bzw. dem Rückfluss gehindert.

Venenerkrankungen umfassen alle Erkrankungen, bei denen die Venen und/oder ihr Klappensystem auf unterschiedliche Weise geschädigt sind. Entscheidend ist hier, dass diese erkannt und behandelt werden, da sie auf die Gesundheit gravierende Folgen haben können, z.B. wenn aus einem Besenreiser eine Krampfader wird. Die wichtigsten sind das Krampfaderleiden und die Venenthrombose, auf die im Folgenden eingegangen wird.

Venenleiden als Volkskrankheit

Venenerkrankungen sind außerordentlich häufig. Man schätzt, dass in Deutschland etwa 32 Millionen Menschen davon betroffen sind. So leidet jede zweite Frau und jeder vierte Mann an Krampfadern. Jährlich sterben zwischen 40.000 – 100.000 Menschen an den Folgen einer Thrombose. Nach Herzinfarkt und Schlaganfall ist sie damit die dritthäufigste tödlich verlaufende Herz-Kreislauf-Erkrankung und deshalb so tückisch, weil sie zu 40% plötzlich und ohne erkennbaren Auslöser auftritt.

Zwischen Krampfaderleiden und Thrombosegefahr besteht ein gewisser Zusammenhang, nämlich der, dass ausgeprägte Krampfadern das Risiko für eine Thrombose erhöhen. Aber was ist eigentlich eine Thrombose und warum werden Venen zu Krampfadern?

Was ist eine Thrombose?

Der Begriff der Thrombose kommt aus dem Griechischen und bedeutet Klumpen oder Pfropf. Er beschreibt die Veränderung des venösen Blutes, das nicht mehr auf normale Weise fließt, sondern durch seine klumpige Beschaffenheit schließlich die Bahn, in der es sich befindet, blockiert und ggf. verstopft.

Dies kann geschehen, wenn die Innenwand des Blutgefäßes geschädigt ist, wie bei Entzündungen, Verletzungen oder aufgrund von Verkalkungsprozessen oder sich der Blutstrom verändert. So kommt es bei Krampfaderleiden zu einer Wirbelbildung des Blutflusses und zu dessen Verlangsamung bei Herzschwäche. Außerdem hat auch die Blutzusammensetzung einen Einfluss. Dies geschieht entweder durch Flüssigkeitsmangel und/oder wenn zwischen den gerinnungsfördernden und den gerinnungshemmenden Faktoren kein Gleichgewicht mehr besteht. Solche Veränderungen der Blutzusammensetzung finden sich u.a. bei bestimmten Leber- und Nierenerkrankungen, hormonellen Veränderungen bzw. bestimmter Hormontherapie (mit Östrogenen), aber auch bei schweren Schockzuständen, Verletzungen und Operationen.

Größte Gefahr besteht, wenn Thromben nicht an der Gefäßwand haften, sondern mit dem Blutstrom hinauf in die Lungengefäße wandern und diese dann verschließen. 90% der Thromben, die aus den tiefen Bein- bzw. Beckenvenen stammen, führen zu solchen Lungenembolien.

Mögliche Ursachen einer Thrombose:

  • Entzündungen
  • Verletzungen
  • Erkrankungen (z.B. der Leber und Niere)
  • Verkalkungsprozesse
  • Flüssigkeitsmangel
  • Hormonelle Veränderungen
  • Schock
  • Operationen
  • Ungleichgewicht gerinnungshemmender und -fördernder Faktoren
  • Veränderung des venösen Blutstroms (z.B. durch Krampfadern)

Wie entstehen Krampfadern?

Wird das Pumpsystem der Venen kontinuierlich überlastet, kann es schließlich nicht mehr gut arbeiten. Das geschieht z.B. bei langem Sitzen, Stehen und generell bei mangelnder Bewegung, da die Skelettmuskulatur nicht mehr gefordert wird und so ihre unterstützende Pumpfunktion verliert. Das Blut staut sich nun in den Venen, die in der unteren Körperhälfte unterhalb des Herzens liegen und führt zu einer zunehmenden Schwächung der Wand- und Klappenstruktur. 

Die Venen werden instabiler, die Klappen können den partiellen Rückfluss des Blutes nicht mehr ganz verhindern. Davon sind zunächst die oberflächlichen Venen betroffen, da sie nicht durch umgebende Muskulatur stabilisiert werden. Es entstehen Schwellungen und Knötchen. Diese Schwellungen – der Fachbegriff lautet Ödeme – rühren von Einlagerungen des Gewebswassers her, das nicht mehr gut bzw. schnell genug über die Venen abtransportiert werden kann. In der Behandlung können sie durch Kompressionsbandagen reduziert werden. Zu diesem Zeitpunkt sind bereits auch Veränderungen der gleich unter der Haut liegenden Venen zu erkennen.

Vielfältige Gründe für Krampfadern

Die Veränderung der Venen zu Krampfadern kann aufgrund ihrer Häufigkeit zu Recht als Volkskrankheit gelten. Bei ihrer Entstehung können genetische Gründe eine Rolle spielen, die Venenschwäche kann also angeboren sein oder auf einer Bindegewebsschwäche beruhen. An letzterer leiden Frauen häufiger als Männer, zumal sich das Bindegewebe unter hormonellem Einfluss verändert. Dies erklärt u.a. die typischen Beschwerden im letzten Teil der Schwangerschaft, in der die Lockerung des Bindegewebes Platz für das Kind und die Entbindung schafft. Zu Venenproblemen führt aber vor allem der Druck, den das Ungeborene im Mutterleib auf die nach oben führenden Gefäßbahnen ausübt und dadurch einen Rückstau des venösen Bluts verursacht.

Auch Alterungsprozesse führen – wie bei allen anderen Geweben auch – zu einem Verlust der früheren Stärke und Funktionsfähigkeit und verursachen Venenkrankheiten. So lassen sich bei den meisten über 70-Jährigen Krampfadern finden. Es können aber auch bestimmte Erkrankungen wie eine Herzschwäche, tiefe Beinvenenthrombosen oder eine Leberzirrhose einen Blutstau verursachen und so zu Krampfadern führen.

Mögliche Ursachen für die Bildung von Krampfadern:

  • Genetische Gründe
  • Hormonelle Einflüsse z.B. in der Schwangerschaft
  • Langes Sitzen oder Stehen
  • Mangelnde Bewegung
  • Alterungsprozess
  • Erkrankungen

Woran merken Sie, dass Sie Krampfadern haben?

Schwere-, Spannungsgefühl und Wassereinlagerung in den Beinen können, wenn sie anhaltend bestehen, Vorboten eines Krampfaderleidens sein. Ebenso ist eine beginnende Venenzeichnung der Haut ein mögliches Symptom. Dazu gehören auch Besenreiser, die manchmal jedoch rein kosmetischer Natur sind und nicht im Zusammenhang mit einer krankhaften Überbelastung des Venensystems stehen. 

Bemerken Sie ein Schwere- und Spannungsgefühl in den Beinen, das im Tagesverlauf zunimmt? Bilden sich später Schwellungen im Bereich der Füße, Knöchel und ggf. des ganzen Unterschenkels aus? Dann sind Sie höchstwahrscheinlich von Krampfadern betroffen. Das können Sie auch an den Veränderungen Ihrer Venen sehen, die mehr als vorher hervortreten, Knötchen bilden und/oder sich schlängeln. Bei einem dieser Symptome sollten Sie aufmerksam werden:

  • hervortretende Venen
  • Knötchenbildung 
  • sich schlängelnde Venen

Vorsicht bei Venenthrombose

Im Fall der Venenthrombose liegen die Dinge anders. Sie verläuft oft stumm, da sich das betroffene Gefäß in den Beinvenen nach und nach verschließt und/oder durch körpereigene Reparaturmechanismen doch wieder durchgängig wird. Höchste Gefahr droht aber immer dann, wenn ein Gefäß plötzlich und vollständig verschlossen wird, wie es gerade durch fortgerissenen Blutpfropfen der Fall sein kann. Alarmsignale sind dabei:

  • neu aufgetretene bzw. ungewöhnliche Schmerzen im Bereich der Beine/Waden
  • Überwärmung des betroffenen Beines
  • Blauverfärbung der Haut beim Herunterhängen des Beines,
  • plötzliche oder zunehmende Atemnot 


Der letzte Punkt kann auf den Verschluss eines Lungengefäßes hinweisen, also auf eine Lungenembolie. Hierbei ist größte Eile und notfallmedizinische Abklärung geboten.

Diagnose von Krampfadern und Venenthrombose

Die Diagnose einer Venenschwäche sollte möglichst früh gestellt werden, um einer Verschlimmerung bzw. Ausweitung des Krankheitsgeschehens gezielt entgegenwirken zu können. Natürlich kann auch der Hausarzt die Frühsymptome einer Venenschwäche erkennen. Ein auf diese Erkrankungen spezialisierter Facharzt – ein Phlebologe bzw. Angiologe – verfügt aber im Zweifelsfall über einen geschulteren Blick und kann die Diagnose zudem mit Hilfe eines besonderen Ultraschallgeräts erhärten. Dieses gibt Auskunft über den genauen Zustand des Venensystems und lässt Abweichungen des Blutflusses, Veränderungen der Venenwand und Einschränkungen der Klappenfunktion erkennen.

Wie immer sollte dieser technischen Abklärung ein Gespräch mit dem Betroffenen und eine körperliche Untersuchung vorangehen, um die möglichen Krankheitsursachen erkennen und die Risikofaktoren genauer abschätzen zu können. 

Was sind die Risikofaktoren von Venenerkrankungen?

Wenn durch die Eigenschaften, Merkmale oder Verhaltensweisen einer Person die Wahrscheinlichkeit für eine Krankheit wie Thrombose steigt, spricht man von Risikofaktoren. Eine rauchende Chefsekretärin in ihren Fünfzigern mit Wechseljahrsbeschwerden, die fast nur am Schreibtisch sitzt bzw. ihren Chef auf ausgedehnten Langstreckenflügen begleiten muss, trägt beispielsweise ein höheres Erkrankungsrisiko als ein gleichaltriger Mann, der sich bei seiner überwiegend körperlichen Arbeit viel bewegt.

Das Risiko beider für eine Venenerkrankung würde sich jedoch erhöhen, erlitten sie einen Herzinfarkt und/oder müssten sich einer ausgedehnten Operation unterziehen. Dann bestünde nicht nur die Gefahr einer Gefäßverletzung durch den Eingriff, sondern das Blut würde zusätzlich – durch Flüssigkeitsmangel und den Gebrauch von Gerinnungshemmern – dickflüssiger werden. Aus diesem Grund bekommt so gut wie jeder Patient, auch wenn er nur wenige Tage im Krankenhaus ist, eine Thrombosespritze.

Was sagen neue Forschungen zu Risikofaktoren?

Im Laufe der letzten Jahre hat man durch wissenschaftliche Studien festgestellt, dass nicht alle Risikofaktoren so schwerwiegend sind wie lange angenommen. So droht die Gefahr einer Flugzeugthrombose nur auf sehr langen Flügen und beim gleichzeitigen Bestehen von bestimmten Vorerkrankungen. Auch Hormonpräparate wie die Anti-Baby-Pille führen nicht zwangsläufig zu Schädigungen des Gefäßsystems, sollten aber mit Bedacht verschrieben und ihre Wirkung im ersten Jahr der Behandlung im Auge behalten werden.

Wie können Venenleiden behandelt werden?

Wie bei vielen anderen Erkrankungen gilt auch hier: Bewegung ist wichtiger Teil der Behandlung und gleichzeitig eine Vorsorgemaßnahme. Aktivieren Sie vor allem die Muskelpumpen der Beine und halten sie diese z.B. durch regelmäßiges Gehen oder Laufen in Schwung. Zusätzlich gibt es eine spezielle Venengymnastik, die die Muskelgruppen gezielt stärkt, die für den Rückfluss des Blutes wichtig sind, etwa die Wadenmuskulatur. Es sind vergleichsweise einfache und wenig zeitaufwändige Übungen, die sich gut in den Alltag einbinden lassen.

Besteht aber der Verdacht auf Thrombose im tiefen Venensystem, ist Bewegung gefährlich. Bis zur Auflösung des Blutgerinnsels ist stattdessen Bettruhe nötig, denn die Verschleppung des Gerinnsels in die Lungengefäße muss unbedingt vermieden werden. Sind jedoch lediglich oberflächliche Venen von der Blockade betroffen, kann Bewegung sogar hilfreich und Teil der Behandlung sein. Sie regt den Blutfluss an und trägt so dazu bei, den Thrombus klein zu halten bzw. abzubauen.

Kompressionsstrümpfe: Behandlung mit Druck

Bei der Behandlung der Krampfadern sollen diese entlastet und dadurch der Blutfluss verbessert werden. Dies gelingt bei einer Kompressionstherapie durch gezielten Druck von außen, der quasi den muskulären Druck imitiert und damit die zunehmende Gefäßaufweitung begrenzt. Der Gefäßdurchmesser wird also wieder verengt. 

Dies gelingt durch spezielle Kompressionsstrümpfe, die fälschlicherweise umgangssprachlich oft als Stützstrümpfe bezeichnet bzw. verwechselt werden. Im Gegensatz dazu üben sie ihren Druck aber stärker und vor allem gezielter aus. Da jedes Bein in Länge, Form und Umfang unterschiedlich ist, müssen die Strümpfe im Fachhandel gezielt angepasst werden, da damit auch das Ausmaß der Venenschwäche zusammenhängt. Die Krankenkasse trägt die entsprechenden Kosten für zwei Paar Kompressionsstrümpfe im Jahr.

Lassen Sie sich im Sanitätshaus Seeger zu einer Kompressionstherapie und die für Sie geeigneten Kompressionsstrümpfe beraten!

Medikamente gegen Venenerkrankungen: Einnahme mit Risiken verbunden

Um größere Thromben aufzulösen und/oder deren erneuter Bildung vorzubeugen, greift man zu Medikamenten, die die Blutgerinnung verhindern bzw. herabsetzten. Dieser Eingriff in das komplexe Gerinnungssystem des Blutes ist durchaus risikoreich und bedarf einer engmaschigen ärztlichen Beobachtung und guten Schulung und Mitarbeit des Betroffenen. Glücklicherweise sind seit einigen Jahren Medikamente auf dem Markt, die schneller wirken bzw. einfacher zu steuern sind. Bei eingeschränkter Leber- und Nierenfunktion sollten diese jedoch nicht bzw. nur unter genauer Abwägung des Risiko-Nutzen-Verhältnisses zum Einsatz kommen. Laborkontrollen sind dabei, wie auch zur Abklärung der Krankheitsursachen und der Risikofaktoren, unerlässlich.

Operativer Eingriff: Wann ist er sinnvoll?

Helfen die o.g. Methoden, also die gezielte Kompressions- bzw. medikamentöse Behandlung nicht oder erscheinen nicht aussichtsreich genug, können operative Eingriffe notwendig werden. Selten werden dabei Thromben entfernt; dies erfolgt nur im Frühstadium und bei ausgedehnter Blockierung der Beinvenen.

Die operative Behandlung von Krampfadern hingegen ist weit verbreitet, auch sie ist abhängig vom Ausmaß des Befalls und dient dazu, die noch gut funktionierenden Venen zu entlasten. Sie empfiehlt sich bei jüngeren Patienten oder wenn schwerere Komplikationen zu befürchten sind, beispielsweise bedingt durch einen langen chronischen Verlauf. So kann ein langjähriger Rückstau des venösen Blutes erst die kleinsten Blutgefäße schädigen, dann die Haut, sodass schließlich am Bein offene Wunden entstehen, die sich durch Keimbefall leicht entzünden, sehr unangenehm, schmerzhaft und schwer behandelbar sind. Auch hier ist – neben der Wundversorgung – eine rechtzeitige und angemessene Kompressionstherapie notwendig und der Schlüssel zum Behandlungserfolg.

Durch Prävention Venenerkrankungen vermeiden

Venenerkrankungen treten häufig auf und sind nicht nur eine Frage der Veranlagung und/oder des Alters, sondern auch der Lebensumstände. Sie bedingen bzw. beeinflussen sich oft wechselseitig und sind abhängig von zusätzlichen Erkrankungen und Risikofaktoren. So erhöhen ausgedehnte Krampfadern beispielsweise die Gefahr einer Thrombosebildung. Außerdem können tiefe Beinvenenthrombosen die Venenklappen schädigen und, ebenso wie langjähriges Krampfaderleiden, eine chronische Venenschwäche bedingen. 

Als einer ihrer schwersten Komplikationen ist das Beingeschwür gefürchtet – umgangssprachlich „offenes Bein“ genannt. Damit es nicht zu solchen Auswirkungen kommt, die die Gesundheit und Lebensqualität des Betroffenen stark bedrohen bzw. belasten, kann die Bedeutung vorbeugender Maßnahmen und die gezielte Berücksichtigung von Risikofaktoren nicht stark genug betont werden.

Neben ausreichender körperlicher Bewegung, der Vermeidung von langem Sitzen oder Stehen – liegt der Schwerpunkt der Vorsorge und der Behandlung in einer rechtzeitigen und angemessenen Kompressionsversorgung und einer fachärztlichen Beratung und Begleitung.

Weiterführende Informationen unter:
www.dga-gefaessmedizin.de
www.deutsche-gefaessliga.de
www.apotheken-umschau.de

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