Brustkrebsnachsorge – so geht sie richtig

Für viele Patientinnen ist die Nachsorge, die im Zusammenhang mit den Folgen einer Brustkrebsbehandlung steht, meist schambesetzt.

Für viele Patientinnen ist die Nachsorge, die im Zusammenhang mit den Folgen einer Brustkrebsbehandlung steht, meist schambesetzt. Das liegt daran, dass sich sowohl über die Krankheit als auch über die Folgen und Probleme nur schwer angemessen reden lässt. Hier ist ein vertrauensvolles Verhältnis zwischen Arzt/Ärztin und Patientin das A und O, damit die Patientin mit den richtigen Nachsorge-Maßnahmen ganzheitlich wiederaufgebaut werden kann – körperlich und psychisch.

Das Sanitätshaus Seeger hat spezielle Beratungs- und Versorgungszentren in Berlin und Brandenburg eingerichtet, um der besonderen Situation brustoperierter Frauen und Männer gerecht zu werden. Vereinbaren Sie einen Termin - wir helfen Ihnen weiter!

Brustkrebsnachsorge direkt nach einer OP

Die Brustkrebsnachsorge ist abhängig vom jeweiligen Ausmaß der Folgeschäden, den möglichen Beschwerden und dem Zeitpunkt ihres Auftretens. Unmittelbar postoperativ werden diese Folgeschäden medizinisch behandelt:

  • Verhinderung von Schwellungen und Schmerzen, die durch Einblutungen oder Stau von Gewebswasser entstehen
  • gute Verteilung der Fettgewebszellen 
  • Vorbeugung von Dellen- und Faltenbildung der Haut


Die frisch operierte und/oder bestrahlte Haut ist gegenüber äußeren Reizen sehr empfindlich und verletzungsgefährdet. Als Schutz dienen hier weiche Einlagen aus Watte oder Schaumstoff oder – wenn notwendig – ein Kompressions-BH, der den Nebenwirkungen einer Schwellung vorbeugt oder diese abmildert.

Prothesen für die Brustkrebsnachsorge einsetzen

Nach der Wundheilung können individuell angepasste Brustprothesen den Verlust des ursprünglichen Brustgewebes verdecken. Sie kommen inzwischen nicht nur vom Aussehen, sondern auch der Oberflächenbeschaffenheit der weiblichen Brust erstaunlich nah und ermöglichen so das problemlose Tragen figurbetonter Kleidung wie auch uneingeschränkte körperliche Betätigung. Es gibt sie auch gezielt für Sport- und Bademoden.

Brustprothesen haben folgende Vorteile:

  • Optischer Ausgleich
  • Verhinderung von Folgekomplikationen und Beschwerden, wie z.B. Schulter- und Nackenbeschwerden oder Rückenschmerz durch ein stärkeres Ungleichgewicht zweier Brüste


Lassen Sie sich von Ihrem Arzt oder im Sanitätshaus beraten, welche Prothese am besten zu Ihnen passt.

Welche Arten von Brustprothesen gibt es?

Heute gibt es ein vielfältiges Angebot an Brustprothesen, um die Symmetrie wiederherzustellen.

Für Frauen, die sich einer Amputation einer oder beider Brüste unterziehen mussten, gibt es eine Vielzahl von Brustprothesen. Neben einer Basisversorgung gibt es unterschiedliche Technologien, die auf die individuellen Bedürfnisse der Trägerin eingehen.

  • Prothesen mit temperaturausgleichenden Eigenschaften reduzieren das Schwitzen zur Brustwand hin.
  • Prothesen mit einem besonders weichen Silikongel auf der Rückseite sind extra sanft zu empfindlichem Narbengewebe.
  • Selbsthaftende Prothesen haften direkt auf der Haut und bewegen sich so besonders natürlich mit dem Körper mit.
  • Ganz neu sind Prothesen mit einer Luftkammer, die jederzeit – mit der mitgelieferten Pumpe – von der Frau selbst an ihre individuelle Silhouette angepasst werden können. Sie sind besonders empfohlen bei unebenem Narbengebiet, Gewichtsschwankungen oder Lymphödem.

Verschiedene Gewichtsoptionen von Standard, leicht bis extra leicht erweitern die Auswahl zusätzlich.

Ausgleichsteile in verschiedenen Formen und Stärken gleichen nach einer brusterhaltenden Therapie fehlendes Gewebe genau dort aus, wo es entnommen wurde. Auch Ausgleichsteile gibt es mit verschiedenen Rückseiten, die den Bedürfnissen der Trägerin gerecht werden. Da eine Brustasymmetrie auch Monate oder Jahre nach der OP auftreten kann, lohnt sich hier immer ein Beratungsgespräch im Sanitätshaus, wenn sich die Frau unsicher fühlt.
 

Empfehlungen für die Nachsorge: Brustkrebs-Leitlinien

Die Deutsche Krebsgesellschaft hat detaillierte Leitlinien zusammengestellt, an denen sich bei der Brustkrebsnachsorge orientiert werden kann. Je nachdem, wie lange die Erkrankung zurückliegt, werden bestimmte Nachsorgeuntersuchungen empfohlen, damit der Verdacht auf einen Rückfall ausgeschlossen werden kann.

Bis zum 3. Jahr:

  • Körperliche Kontrolluntersuchung mit Gespräch, Beratung, Aufklärung: alle 3 Monate
  • Mammographie und Ultraschall nach OP: einmal im Jahr (mindestens)
  • Ultraschall der Brustwand nach Brustentfernung: einmal im Jahr (mindestens)

Bis zum 5. Jahr:

  • Körperliche Untersuchung mit Gespräch, Beratung, Aufklärung: alle 6 Monate
  • Mammographie und Ultraschall nach OP: einmal im Jahr
  • Ultraschall der Brustwand nach Brustentfernung: einmal im Jahr


Ab dem 6. Jahr:

  • Körperliche Untersuchung mit Gespräch, Beratung, Aufklärung: einmal im Jahr
  • Mammographie und Ultraschall nach OP: einmal im Jahr
  • Ultraschall der Brustwand nach Brustentfernung: einmal im Jahr

Brustkrebsnachsorge: auf eine gesunde Lebensweise achten

Der genesungs- und gesundheitsfördernde Wert von Sport kann auch an dieser Stelle nicht stark genug betont werden. Man weiß inzwischen, dass regelmäßige körperliche Bewegung ebenso wie verlässliche soziale Kontakte die Überlebenschancen bei einer Krebs-Erkrankung maßgeblich verbessern. Aus diesem Grund sollten Betroffene eine Reha in Betracht ziehen.

Auch eine gesunde Ernährung wirkt in der Nachsorge von Brustkrebs sehr förderlich, da der Körper eine ganzheitliche Stärkung gebrauchen kann. Nach den großen Belastungen der Behandlung sollten Patientinnen daher auf eine ausgewogene und abwechslungsreiche Ernährung setzen. Nicht belegt ist der Erfolg spezieller „Krebsdiäten“ oder die Einnahme zusätzliche Vitamine und Spurenelemente. 

Die Deutsche Krebsgesellschaft empfiehlt:

  • Frisches Obst und Gemüse
  • Vollkorngetreideprodukte
  • Hülsenfrüchte
  • Olivenöl 
  • Nüsse und Samen

Welche Zuzahlung bei BHs und Brustprothesen übernimmt die Krankenkasse?

Die Beratung sowie die Anfertigung und Anpassung von Prothesen oder anderen medizinischen Hilfsmitteln werden nach ärztlicher Verordnung von den gesetzlichen Krankenkassen getragen. Leider ist die weitere Erstattung und Zuzahlung nicht einheitlich geregelt.

Unsere Tipps:

  • Fragen Sie bei der jeweiligen Krankenkasse konkret nach der Kostenerstattung. 
  • Lassen Sie sich eine mündlich gegebene Zusage schriftlich bestätigen. 
  • Holen Sie sich bereits im Krankenhaus (beim Pflege- oder Sozialdienst) hilfreiche Informationen. 
  • Tauschen Sie sich mit ebenfalls Betroffenen, z.B. im Rahmen von Selbsthilfegruppen, aus.


In der Regel werden von den Krankenkassen nach Hilfsmittelverordnung die Kosten für folgende Versorgung übernommen:

  • postoperative Erstversorgung (zu 100 %)
  • Erstausstattung von ein bis zwei Spezial-BHs, ggf. zusätzlich auch für einen Badeanzug
  • jeweils jährlich zwei Spezial-BHs
  • alle zwei Jahre eine neue Brustprothese 
  • ggf. alle zwei Jahre ein neuer Badeanzug


Die Höhe der Zuzahlung für BHs bzw. Sport- und Bademode liegt mindestens bei 40 Euro. Durch die genaue Klärung mit ihrer Krankenkasse und einen Kostenvoranschlag vor dem Kauf vermeiden Sie unnötige finanzielle Mehrbelastungen. 

Nachsorgen bei Brustkrebs: Psychische Folgen beachten

In Deutschland erkrankt jede achte Frau im Laufe ihres Lebens an Brustkrebs und ein Drittel davon sind Frauen, die jünger als 55 Jahre alt sind. Die Brust ist ein Bereich des weiblichen Körpers, der das Selbst- und Körperbild einer Frau stark bestimmt. Weibliche Ausstrahlung und Erotik hängen unmittelbar mit einer schönen Brust zusammen. 

Entsprechend einschneidend und verstörend wirken Eingriffe, die an den Brüsten vorgenommen werden. Erst recht, wenn diese die Form und Empfindungsfähigkeit stärker in Mitleidenschaft ziehen. So entwickeln eine ganze Reihe von Krebspatientinnen in Folge ihrer Behandlung ein sogenanntes Fatigue-Syndrom, das u.a. durch körperliche Schwäche, leichte Ermüdbarkeit sowie Gefühle der Trost- und Lustlosigkeit gekennzeichnet ist und unterschiedlich lang andauern kann.

Während der Behandlung „funktionieren“ viele Patientinnen einfach nur, nehmen ihre Termine war, gehen zur Chemo-Therapie und lassen sich operieren. Die seelische Krise kommt häufig erst später, wenn „eigentlich“ alles überstanden ist. Eine Gesprächstherapie im Rahmen der Brustkrebsnachsorge hilft vielen Patientinnen dabei, die Behandlungen, die Folgen und auch die Angst vor einem Rückfall zu verarbeiten. 

Vor allem aber sollten Sie sich (und Ihrem Partner oder Ihrer Partnerin) Zeit geben und lassen, um die Veränderungen des Körpers anzuerkennen, um sich mit ihm und im Miteinander schließlich neu zu orientieren.

Weiterführende Informationen unter:
www.krebshilfe.de
www.krebsinformationsdienst.de

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