Rollstühle und Elektrorollstühle für den individuellen Bedarf

Rollstühle gibt es inzwischen in den verschiedensten Ausführungen, Größen und Farben. Etwa 1,5 Millionen Menschen in Deutschland erhalten sich mit einem Rollstuhl ihre Mobilität.

(E-)Rollstuhl kaufen: Was muss ich bedenken?

Suchen Sie einen Multifunktionsrollstuhl, einen Leichtgewichtrollstuhl oder einen E-Rollstuhl? Es gibt viele verschiedene Rollstühle als Hilfsmittel zur Fortbewegung. Welcher Rollstuhl für wen in Frage kommt, ist von unterschiedlichen Faktoren abhängig, die vor dem Kauf gut durchdacht werden sollten: 

  • Kann der Rollstuhl vom Betroffenen selbst bewegt werden?
  • Reicht die Kraft seiner Arme und Hände für den Antrieb eines Standardrollstuhls aus?
  • Soll der Rollstuhl der Pflege und Lagerung Schwerstmehrfachbehinderter dienen?
  • Wird der Rollstuhl häufig im Auto transportiert?
  • Soll der Rollstuhl besonders schmal, faltbar oder ein Leichtgewichtsrollstuhl sein?
  • Welche Sitzhöhe, Sitztiefe und Sitzbreite wird gewünscht?

Wie ist ein Rollstuhl aufgebaut?

Es gibt inzwischen im Sanitätsfachhandel etwa vierhundert verschiedene Einzelmodelle. Das grundlegende Bauprinzip der Rollstühle besteht dabei nach wie vor aus einem Sitzgestell mit vier Rädern. Hinten befinden sich die größeren Antriebsräder und vorn die kleineren Vorderräder. Die Räder lassen sich steuern und abbremsen.

Es gibt dazu vielfältiges Zubehör etwa in Form von Seitenteilen, Armlehnen, Schiebegriffen, Fußbrettern, Speichenschutz und Kopfstützen. 

Die „Machart“ des Rollstuhls kann und sollte genau auf die Bedürfnisse des Rollstuhlfahrers zugeschnitten werden. 

Welche Rollstuhl-Modelle gibt es?

Es gibt verschiedene Rollstühle für den Außenbereich und für den Innenbereich:

  • Handbetriebene Rollstühle
  • Elektrische Rollstühle
  • Pflegerollstühle / Multifunktionsrollstühle
  • Aktivrollstühle
  • Kinderrollstühle


Bei den handbetriebenen Rollstühlen sind Rollstühle mit beidseitigen Greifreifen an den Antriebsrädern der „Klassiker“, es gibt aber auch Modelle mit Einhandbetrieb oder mit Handhebeln.

Was ist das Besondere an einem elektrischen Rollstuhl?

Reicht die Armkraft oder die Beweglichkeit von Armen und Händen nicht aus, wird die Wahl auf ein Elektrorollstuhl-Modell fallen. Die Steuerung dieses Elektromobils erfolgt meist über einen kleinen Hebel, den Joystick. Es gibt aber auch Modelle, bei denen – ähnlich wie bei Elektrofahrädern – der elektronische Antrieb nur bei Bedarf hinzugeschaltet wird.

Beim Rollstuhlkauf auf eine angenehme Sitzposition achten

Das A und O bei der Wahl eines Rollstuhls ist eine gemütliche Sitzposition. Nutzer sollten beim Kauf darauf achten, dass sie einen guten Halt haben sowie ausreichend Arm- und Schulterfreiheit. Die Rückenlehne sollte höchstens bis zur Unterkante des Schulterblatts reichen. 

Die Sitzfläche eines guten Rollstuhls ermöglicht zudem eine angenehme Druckverteilung, damit Haltungsschäden und Druckgeschwüren vorgebeugt werden kann. 

Welche besonderen Funktionen bietet ein (Pflege-) Rollstuhl?

Für stark pflegebedürftige Menschen sind Rollstühle mit verstellbarer Sitzhöhe eine gute Wahl, denn sie erleichtern nicht nur die Pflege, sondern eröffnen den Betroffenen selbst einen größerer Bewegungsspielraum. 

Sehr beliebt sind Rollstühle, deren Rahmen faltbar ist. Die Faltrollstühle lassen sich so gut transportieren, sind andererseits jedoch schwerer und nicht so leichtgängig wie Rollstühle mit starrem Rahmen, denn diese haben in der Regel eine bessere Kraftübertragung und damit bessere Fahreigenschaften.

Es braucht Zeit, um sich an das sichere Fahren mit einem Rollstuhl zu gewöhnen. Daher gibt es z.B. für noch ungeübte Fahrer Stützräder, die in der Eingewöhnungszeit für die notwendige Stabilität sorgen können.

Tipp: klappbare Rollstühle bringen mehr Komfort

Optimal eingestellt sind Rollstühle, die leicht ankippbar sind, um Schwellen überwinden zu können, und die andererseits stabil genug sind, um beim Anfahren nicht zu kippeln oder nach hinten wegzukippen.

(Elektro-) Rollstuhl kaufen – Worauf muss ich achten?

Wenn Sie einen Standardrollstuhl oder einen elektrischen Rollstuhl kaufen oder mieten möchten, lassen Sie sich dazu beraten. Eine Beratung erhalten Sie:

  • von Ihrem behandelnden Arzt
  • von Ihrem Krankengymnasten 
  • von den geschulten Kräften im Sanitätshaus

 

Ein Rollstuhl sollte vor dem Kauf zudem immer ausprobiert werden, um seine Alltagstauglichkeit und Mobilität zu überprüfen. So gehen Sie sicher, dass der Rollstuhl Ihren Bedürfnissen voll und ganz entspricht.

Übernimmt die Kosten eines (elektrischen) Rollstuhls die Krankenkasse?

Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen bei Bedarf die Rollstuhl-Kosten.  Bei einer über die Standardrollstühle hinausgehenden Ausführung genehmigen sie diese allerdings nur dann, wenn sie medizinisch klar begründet und ärztlich verordnet ist. Zur endgültigen Bewilligung ist oft eine Einzelfallprüfung des jeweils zuständigen Sachbearbeiters notwendig.

Viele Krankenkassen arbeiten jedoch mit bestimmten Sanitätshäusern oder Herstellern zusammen, sodass die Kostenübernahme reibungslos über einen sogenannten Fallpauschalvertrag geregelt werden kann. Dabei erfolgt die Wahl des Rollstuhls aus einem vorgegebenen „Pool“. 

Wer übernimmt die Kosten für Wartung und Reparatur eines Rollstuhls?

Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten für anfallende Reparaturen aufgrund von Verschleiß. Die Wartungskosten sind allerdings manchmal vom Betroffenen selbst zu tragen.

Bei Elektrorollstühlen können die Stromkosten oft über eine monatliche Pauschale abgegolten werden. Erkundigen Sie sich vorab, wie Ihre Krankenkasse in diesen Punkten verfährt und welche Kosten von Ihnen selbst zu tragen sind.

Besonderheiten für Rollstühle, die elektrisch betrieben werden

Die gesetzliche Krankenkasse übernimmt die Kosten für Elektrorollstühle nur dann, wenn sie eine Höchstgeschwindigkeit von bis zu sechs Stundenkilometern nicht überschreiten. Dies hat versicherungsrechtliche Gründe. Theoretisch können elektrische Rollstühle bis zu zehn Stundenkilometer schnell fahren. 

Bei diesen schnelleren Elektrorollstühlen „greift“ in Schadensfällen allerdings die private Haftpflichtversicherung des Nutzers nicht mehr, sondern es muss eine private Kfz-Haftpflichtversicherung abgeschlossen werden, vergleichbar mit der für ein Mofa oder ein Elektrofahrrad. 

Höchstgeschwindkeit über 6km/h: Was muss ich bei den Elektrorollstühlen beachten?

  • Private Kfz-Haftpflichtversichung notwendig
  • Kennzeichnungspflicht auf der Rückseite des Rollstuhls
  • Betriebserlaubnis notwendig
  • Betriebserlaubnis immer mitführen
  • Besondere Bestimmungen für Flugreisen beachten

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