Pflegehilfsmittel für die häusliche Versorgung

Wer unter einer Erkrankung oder Behinderung leidet, wird in seinem Alltag durch sogenannte Pflegehilfsmittel unterstützt. Darunter fallen beispielsweise Desinfektionsmittel, Einmalhandschuhe, ein Mundschutz oder ein Pflegebett.

Wie wichtig und notwendig eine angemessene Versorgung Pflegebedürftiger ist, lässt sich allein an ihrer kontinuierlich steigenden Zahl erkennen: sie hat sich seit der Einführung der Pflegeversicherung verdreifacht und lag Ende 2018 bei etwa 3,3 Millionen. Von diesen Menschen wurde der Großteil – nämlich 2,5 Millionen – im häuslichen Umfeld und damit oft von ihren Angehörigen gepflegt.

Was sind Pflegehilfsmittel nach Definition der Pflegekassen?

Unter Pflegehilfsmitteln versteht man unterschiedliche Gebrauchs- und Verbrauchsgegenstände, die für die häusliche Versorgung und Betreuung notwendig sind. Die Pflegehilfsmittel dienen dazu: 

  • die Pflege zu erleichtern 
  • bestehende gesundheitliche Beschwerden des Betroffenen zu lindern 
  • Betroffenen unter gezielter Berücksichtigung der krankheitsbedingten Einschränkungen eine ausreichend gute und möglichst lange eigenständige Lebens- und Alltagsgestaltung zu ermöglichen

 

Die Art der Pflegehilfsmittel richtet sich nach den jeweiligen Bedürfnissen und Voraussetzungen des Pflegebedürftigen. So wird ein langjährig bettlägeriger Pflegebedürftiger ein höhenverstellbares Pflegebett brauchen, mit einer Matratze, die ihn vor Druckgeschwüren bewahrt; ein noch relativ mobiler Pflegebedürftiger mit Blasenschwäche hingegen eventuell nur Einlagen für Bett und Unterwäsche. 

Welche Arten von Pflegehilfsmittel gibt es?

Pflegehilfsmittel werden im Hilfsmittelverzeichnis gelistet und sind in zwei Hauptgruppen unterteilt: in technische Hilfsmittel und Verbrauchsartikel.

Technische Pflegehilfsmittel:

  • werden dem Betroffenen meist leihweise zur Lebensführung überlassen 
  • können ärztlicherseits verschrieben werden ohne dabei eine „Kostendeckelung“ zu erfahren
  • Beispiele: Pflegebetten, Badewannen-Lifter, Rollatoren


Pflegehilfsmittel zum Verbrauch:

  • Hygieneprodukte und Pflegehilfsmittel 
  • meist zum einmaligen Verbrauch
  • nicht verschreibungspflichtige Hilfsmittel
  • Kostenerstattung durch die Pflegekasse: 40 Euro/Monat
  • Beispiele: Einmalhandschuhe, Desinfektionsmittel, Bettschutzeinlagen.

Anspruch auf Pflegehilfsmittel: Kostenübernahme durch die Pflegeversicherung

Der Anspruch auf die Kostenübernahme durch die Pflegekassen ist gesetzlich verankert, jedoch muss die Pflegebedürftigkeit durch eine gutachterliche Prüfung festgestellt worden sein (Pflegegrad). Sie erfolgt meist durch den Medizinischen Dienst der gesetzlichen Krankenkassen (MDK). Erst nach abgeschlossener Prüfung und Bewilligung – zwischen Antragsstellung und Entscheid dürfen nicht mehr als fünf Wochen liegen – können entstandene Kosten für Pflegehilfsmittel geltend gemacht werden, jedoch nie rückwirkend.

Als pflegebedürftig werden Betroffene eingestuft, die aus gesundheitlichen Gründen in ihrer Selbstständigkeit beeinträchtigt sind und so Hilfe von anderen benötigen. Im Alter kann dies zum Beispiel bei eingeschränkter Beweglichkeit der Fall sein oder aufgrund einer dementiellen Entwicklung, die eine eigenständige Alltagsbewältigung nicht mehr erlaubt. 

Anspruch auf Pflegehilfsmittel haben Betroffene:

  • mit Pflegegrad 1-5
  • die zu Hause oder in einer Wohngemeinschaft leben
  • deren Pflege von Angehörigen oder einem Pflegedienst durchgeführt wird

Wie kann ich einen Antrag auf Pflegehilfsmittel zum Verbrauch stellen?

Der Antrag auf Bewilligung von Pflegehilfsmitteln zum Verbrauch muss nur einmalig gestellt werden, denn es ist davon auszugehen, dass der zu Pflegende sie regelmäßig benötigen wird. Die entsprechende Antragstellung kann durch den zu Pflegenden selbst oder einen von ihm Bevollmächtigten erfolgen. Beauftragte Pflegedienste rechnen die entstehenden Kosten für Pflegehilfsmittel in der Regel direkt mit der Pflegekasse ab.

Tipps zur Beantragung von Pflegehilfsmitteln:

  • Fragen Sie direkt bei der Pflegekasse nach, wie das Genehmigungs-Prozedere für die Produktgruppe der Pflegehilfsmittel abläuft.
  • Sollte der Antrag abgelehnt werden, können Sie innerhalb eines Monats Widerspruch einlegen.
  • Prüfen Sie, ob die Laufzeit des Antrags auf Pflegehilfsmittel „unbegrenzt“ oder „jährlich“ erfolgt. Bei einer jährlichen Beantragung sollten Sie den Folgeantrag rechtzeitig stellen. 

Empfehlung: Pflegehilfsmittel im Fachhandel kaufen

Mittlerweile lassen sich nicht nur Hygieneprodukte und Pflegehilfsmittel zum Verbrauch, sondern zunehmend auch technische Pflegehilfsmittel, auf unterschiedliche Weise beziehen: sowohl online als auch im klassischen Einzelhandel. Ohne Schwierigkeiten sind Einmalhandschuhe, Desinfektionsspray und Inkontinenzeinlagen im Sortiment fast jeden Drogeriemarkts zu finden. Dennoch empfiehlt sich der Weg zum Fachhandel aus unterschiedlichen Gründen:

  • Sie profitieren von Fachkompetenz. 
  • Sie finden Produkte, die perfekt auf die gesundheitlichen Einschränkungen und die Bedürfnisse des Pflegebedürftigen, zugeschnitten sind.
  • Erleichterung der Auswahl dank individueller Beratung.
  • Die Produktauswahl berücksichtigt auch die Situation der Pflegenden sicher und angemessen. Nur mit dieser Kenntnis gelingt die geeignete Produktauswahl.


Insbesondere technische Pflegehilfsmittel wie ein Duschhocker oder ein Badewannen-Lifter zur Linderung von Beschwerden sollten in ihrer Größe nicht nur den Gegebenheiten des häuslichen Badezimmers angepasst sein, sondern gleichzeitig den körperlichen Gegebenheiten bzw. Einschränkungen des Pflegebedürftigen. Wie groß und schwer ist er? Wie beweglich? Im Fachhandel können Sie sich zu allen Pflegehilfsmitteln aus dem Pflegehilfsmittelverzeichnis und darüber hinaus beraten lassen.

Auch Hygieneartikel müssen mit Bedacht ausgewählt werden, wenn z.B. bestimmte Erkrankungen der Haut vorliegen oder Hautreizungen gezielt vorgebeugt werden soll, wie dies bei fortgeschrittener Zuckerkrankheit, ausgeprägter Inkontinenz oder der Pflege eines künstlichen Darmausgangs der Fall ist.

Pflegehilfsmittel-Antrag – Lassen Sie sich damit helfen

Die Entscheidung über Pflegebedürftigkeit und die Bewilligung von Pflegehilfsmitteln ist kein Buch mit sieben Siegeln, leider ist der Antrag aber mit viel bürokratischem Aufwand verbunden. Zur zusätzlichen Verwirrung führt die enge Verzahnung zwischen gesetzlicher Kranken- und Pflegekasse. Es ist manchmal nicht einfach, zu durchschauen, wer in welchem Fall und für welche Bewilligung der richtige Ansprechpartner ist. 

Am besten legen Sie Antragsstellung in die Hände professioneller Berufsgruppen. Neben ihrem Hausarzt bieten Pflegestützpunkte eine gute Anlaufstelle. Die Mitarbeiter dort sind in Versorgungs-, und Versicherungsfragen geschult und juristisch auf dem aktuellen Stand. Kompetente Ansprechpartner finden Sie auch in Apotheken und/oder dem Sanitätsfachhandel.

Entdecken Sie praktische Pflegeboxen

Pflegedienste rechnen die benötigten Pflegehilfsmittel zum Verbrauch in der Regel direkt mit der zuständigen Pflegekasse ab. Übernehmen Angehörige selbst die Pflege, können sie sich den Abrechnungsaufwand ebenfalls erleichtern, indem sie auf sogenannte Pflegeboxen zurückgreifen, die von unterschiedlichen Anbietern zusammengestellt werden und die vom Prinzip her Lebensmittelboxen ähneln. 

Pflegeboxen halten die Bewilligungsgrenze von 40 Euro im Monat ein und enthalten Produkte, die für den Pflegealltag benötigt werden. Sie können sowohl direkt im Sanitätsfachhandel als auch online in Auftrag gegeben werden. Notwendig ist nur die einmalige Antragstellung durch den Pflegebedürftigen bzw. von bevollmächtigten Pflegepersonen. Alles andere übernimmt der Händler. Die Boxen werden Ihnen direkt nach Hause geliefert.

Weiterführende Informationen zu Pflegehilfsmitteln unter:
www.pflege.de
www.pflegestufen.org
www.gkv-spitzenverband.de (Pflegehilfsmittel sind unter den Produktgruppen PG 50–54 gelistet)

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