Osteoporose – mit Bewegung gegen Knochenschwund

Unter Osteoporose versteht man einen Krankheitsprozess, der durch den Verlust von Knochenmasse, Knochenstruktur und Knochenfunktion gekennzeichnet ist und mit Knochenbrüchen einhergeht.

Osteoporose – was ist das?

Der Begriff der Osteoporose bedeutet übersetzt: poröser Knochen und benennt so sehr deutlich, in welcher Form sich der Knochen verändert bzw. wie diese Veränderungen sichtbar werden. Anders als vielleicht gedacht, sind Knochen auch bei Erwachsenen nämlich keineswegs starr und fest, sondern ein lebendiges und durchblutetes Gewebe, das steten Auf- und Abbauprozessen unterliegt.

Grob betrachtet lassen sich am Knochen zwei wichtige Regionen unterscheiden: die Rinde und das Knocheninnere, das schwämmchenartig aufgebaut ist. Dieser Aufbau entspricht einem Leichtbauprinzip und ist damit bestimmend für die Statik und Stabilität. Da der Knochen einwirkenden Kräften – sei es als Druck-, als Zug- oder als Drehspannung – möglichst gut gewachsen sein muss, findet sich an stark belasteten Stellen mehr „Schwämmchenmaterial“ als an Stellen, die weniger belastet werden.

Das bedeutet: ein Knochen, der strapaziert wird, baut sich auf. Knochen, die nicht belastet werden, bauen sich ab und die Knochendichte sinkt. Daraus folgt die wichtigste Regel zur Verhinderung von Knochenschwund: Bewegung – und zwar unabhängig von Alter und Gesundheitszustand.

Häufigkeit und Ursachen der Osteoporose

Aktuell leiden in Deutschland über sechs Millionen Menschen an Osteoporose. Die Zahl der Neuerkrankungen liegt bei 885.000 pro Jahr. Etwa 30–40% aller Frauen im Alter von über 60 Jahren sind von Osteoporose betroffen, bei den Männern dieser Altersgruppe sind es 20–30%. Durch die zunehmende Alterung der Gesellschaft werden diese Zahlen weiter steigen. In den meisten der Fälle ist der Knochenschwund altersbedingt. Dabei spielt die Veränderungen des Hormonhaushalts – bei den Frauen das Absinken des Östrogenspiegels mit Beginn der Menopause – eine wesentliche Rolle.

Die altersbedingte Form der Osteoporose wird als primäre Osteoporose bezeichnet. Wesentlich seltener ist die sekundäre Osteoporose. Sie kann aus anderen hormonellen Veränderungen entstehen, z.B. einer Überfunktion der Schilddrüse, einer erhöhten Bildung von Kortisol, durch die Einnahme von Medikamenten oder Hormonpräparaten (Heparin, Kortisol), durch eine verminderte Aufnahme von Kalzium oder aber in Folge einer längeren Einschränkung der körperlichen Beweglichkeit, wie z.B. bei Bettlägerigkeit. Osteoporose kann zudem manchmal auch erblich bedingt sein oder im Zusammenhang mit rheumatoider Arthritis entstehen.

Wie entsteht eine Osteoporose?

Bereits ab dem 40. Lebensjahr verliert der Mensch jährlich etwa 0,5 – 1,5% seiner Knochenmasse und die Knochendichte sinkt. Dieser Teil des altersbedingten Verlusts ist ein natürlicher Prozess. Bei der Osteoporose jedoch kommt es zusätzlich zu einer weiteren Beschleunigung des Knochenabbaus und damit einem noch stärkeren Ungleichgewicht des Knochenstoffwechsels. Es wird insbesondere im Knocheninneren wesentlich mehr Knochensubstanz ab- als aufgebaut, die Knochendichte nimmt ab. Man spricht in diesem Zusammenhang auch von der Entwicklung einer negativen Knochenbilanz. Als sog. präklinische Osteoporose muss sie zunächst noch nicht mit Krankheitssymptomen einhergehen.

Ihr Fortschreiten aber führt zu einer immer weitergehenden Schwächung der Knochenstruktur und schließlich zu Knochenbrüchen: der manifesten Osteoporose. Diese entstehen ohne entsprechende äußere Gewalteinwirkung, da der Knochen viel leichter als bei gesunden Menschen bricht; häufig in Folge einer Bagatellverletzung oder allein durch statische Belastungen. Auch können bereits kleine Gewebsschädigungen nach Überlastung bei Osteoporose nicht mehr ausreichend gedeckt werden. Sie summieren sich, da die notwendigen Reparaturmechanismen nicht mehr gut funktionieren. So wird der Knochen mürbe und kann die auf ihn einwirkenden Kräfte immer schlechter tragen.

Woran erkennen Sie, dass Sie Osteoporose haben?

Der typische „Witwenbuckel“ alter Frauen und das Schrumpfen der Körpergröße im Alter sind die Folge osteoporotischer Veränderungen. Sie werden durch Brüche der Brustwirbelkörper verursacht, die vom Betroffenen oftmals zunächst nicht oder erst spät bemerkt werden. Andere häufige und für die Erkrankung typische Bruchstellen liegen am Oberschenkelhals oder Unterarm. Dies hat zum einen statische Gründe, zum anderen sind beide Bereiche besonders sturzgefährdet. Deshalb ist bei Risikopatienten die sog. Sturzprophylaxe von großer Bedeutung. 

Die Osteoporose kann generalisiert auftreten, denn betrifft sie den gesamten Knochenbau, oder lokalisiert, d.h. nur an ganz bestimmten Stellen, z.B. gelenknah. Dies ist der Fall, wenn die Betroffenen gleichzeitig an einer rheumatoiden Arthritis leiden. Entsprechend unterschiedlich können die durch Osteoporose bedingten Beschwerden sein. 

Einen Knochenschwund erkennen Sie mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit an folgenden Symptomen:

  • Dumpfe, diffuse Rückenschmerzen bis akute Schmerzen nach Belastung besonders im Bereich der Brust- und Lendenwirbelsäule
  • Verringerung der ursprünglichen Körperhöhe
  • Spontane Knochenbrüche
  • Bildung eines „Witwenbuckels“

Diagnose und Behandlung der Osteoporose

Sind die durch Osteoporose bedingten Knochenveränderungen weit fortgeschritten, lassen sie sich mit bloßem Auge erkennen. So ändern und verlieren z.B. die Wirbelkörper nach und nach ihre ursprüngliche Form. Doch im Anfangsstadium der Erkrankung ist es nicht so einfach, Veränderungen zu entdecken. Erst ab einer Verminderung der Knochenmasse von mehr als 30% lässt sich im Röntgenbild klar erkennen. Nur durch eine Knochendichtemessung kann schon in früheren Stadien anhand des Mineralgehalts der Knochen ermittelt werden, ob eine Osteoporose vorliegt. 

Als Spezialdiagnostik eingesetzt, übernimmt die gesetzliche Krankenkasse die Kosten für diese Untersuchung, wenn gewisse Voraussetzungen erfüllt sind. Entweder, muss der Betroffene wahrscheinlich aufgrund einer Osteoporose bereits einen Knochenbruch erlitten haben, d.h. als spontaner Bruch ohne sonst übliche Bruchursache (s.o.), oder aber es wird aufgrund konkreter anderer Befunde eine medikamentöse Behandlung der Osteoporose von Seiten der Ärzte ins Auge gefasst.

Sind Sie von Risikofaktoren betroffen?

Wenn sich Risikofaktoren summieren, steigt der Verdacht auf eine gravierende Störung des Knochenstoffwechsels bzw. einen übermäßig starken Knochenabbau.
Zu diesen Risikofaktoren gehören neben Alter und Geschlecht:

  • ungesunde Ernährung oder ungenügende Aufnahme von Kalzium
  • mangelnde Bewegung
  • Einnahme bestimmter Medikamente
  • hormonelle Veränderungen
  • familiäre Vorbelastung
  • niedriges Körpergewicht
  • erhöhter Nikotin- und Alkoholkonsum


Eine an diffusem Rückenschmerz leidende, sehr schlanke, blasse, überwiegend am Schreibtisch arbeitende, rauchende Frau kurz vor Eintritt ins Rentenalter trägt daher ein höheres Erkrankungsrisiko für Osteoporose als ein ebenfalls an Rückenschmerzen leidender, stämmiger, wettergegerbter 40-jähriger Bauarbeiter, der sich, trotz seiner beruflichen Belastungen, bereits vor einigen Jahren entschieden hat, nicht länger regelmäßig Alkohol zu trinken und zu rauchen.

Kalzium als Knochenbaustein: Warum ist die Aufnahme so wichtig für Ihren Körper?

Dieses Beispiel wird nachvollziehbar, wenn man weiß, dass für den Knochenstoffwechsel die Aufnahme von Kalzium als wichtigstem „Knochenbaustein“ notwendig ist und diese Aufnahme bzw. die Regulation des Kalziumspiegels weiteren (hormonellen) Regelkreisen unterliegt. So ermöglicht z.B. erst Vitamin D – das zu seiner Bildung UV-Strahlung, also Sonnenlicht, braucht – die Aufnahme von Kalzium in den Darm. 

Ein niedriger Spiegel von Vitamin D, der entsprechend zu einer Verringerung der Kalziumaufnahme führt, kann wiederum unterschiedlich verursacht werden:

  • hormonell (bei Schilddrüsenüberfunktion oder vermehrter Bildung von Kortisol)
  • medikamentös (z.B. bei Einnahme von Glukokortikoiden oder Medikamenten gegen Epilepsie) 
  • Schäden an Organen, die Einfluss auf den Kalziumstoffwechsel haben (z.B. bei Magen-, Darm, Leber- und/oder Nierenerkrankungen)


Entsprechend richtet sich die Behandlung der Osteoporose nach der jeweiligen Ursache und hat generell die Verbesserung des Knochenstoffwechsels und die Verhinderung eines noch weiteren Knochenabbaus zum Ziel.

Die Diagnose einer primären Osteoporose

Wenn diese genannten Ursachen, also andere Erkrankungen oder medikamentöse Behandlungen auf Sie nicht zutreffen, Sie aber dennoch Symptome aufweisen, spricht man von einer primären Osteoporose. Sie kann und darf nur dann gestellt werden, wenn ärztlicherseits eine Prüfung aller möglichen anderen Ursachen für den übermäßigen Knochenschwund vorgenommen und abgeschlossen wurde, deshalb ist sie immer eine Ausschlussdiagnose. Dazu gehören die Erhebung der Krankheitsgeschichte und eine klinische Untersuchung.

Vor Röntgen und der Messung der Knochendichte erfolgt dabei in der Regel zunächst eine laborchemische Untersuchung, in der nicht nur der Gehalt von Kalzium im Blut überprüft wird, sondern auch der von Phosphat und ggf. Vitamin D. Zusätzlich bestimmt werden die Schilddrüsen-, Leber- und Nierenwerte, der Wert eines bestimmten Eiweißstoffes, der alkalischen Phosphatase sowie die Entzündungszeichen.

Medikamente und Wirkstoffe: Was hilft gegen Osteoporose?

Es gibt eine Reihe von Medikamenten und Wirkstoffen, die einen positiven Einfluss auf den Knochenstoffwechsel haben und daher zur Behandlung der Osteoporose eingesetzt werden. In erster Linie sind dies natürlich Kalzium und Vitamin D, sie bilden als sog. Basistherapie die Grundlage der Behandlung. Bei sehr hohem Knochenbruchrisiko oder aber bereits erfolgten osteoporotisch bedingten Knochenbrüchen, reicht ihre Einnahme alleine aber nicht mehr aus und es muss noch auf andere Weise Einfluss auf den Knochenstoffwechsel genommen werden.

So ist es durch unterschiedliche Medikamente möglich, die Zellen, die für den Knochenabbau verantwortlich sind, die sog. Osteoklasten, an ihrer Tätigkeit zu hindern. Inzwischen lang erprobt sind Medikamente einer bestimmten Wirkstoffklasse, die Biphosphonate. Sie können als Tablette oder intravenös und mit unterschiedlicher Häufigkeit eingenommen werden, um so das Risiko der Erkrankung zu senken. Ein weiterer Weg, den Einfluss von Osteoklasten zu beschränken, besteht in der Einnahme bestimmter Antikörper, also Abwehrzellen, welche die Zellaktivität der Osteoklasten gezielt auszubremsen vermögen.

Medikamente, die ganz oder zu einem Teil dem Parathormon entsprechen, das natürlicherweise in der Nebenschilddrüse gebildet wird, haben einen anderen Ansatzpunkt: sie erhöhen die Kalziumkonzentration im Blut.

Vorsicht bei Hormonersatztherapien

Da die Osteoporose bei der Frau im engen Zusammenhang mit der Abnahme ihres Östrogenspiegels steht, zu dem die Wechseljahre führen, schien lange Zeit die Einnahme entsprechender Hormonersatzpräparate ohne Frage sinnvoll. Damit ließen sich beispielsweise andere Wechseljahrsbeschwerden gleichzeitig abmildern. Inzwischen weiß man aber über die mit einer solchen Hormonersatztherapie einhergehenden Risiken besser Bescheid. 

Das Nutzen-Risiko-Verhältnis bedarf daher einer besonders sorgfältigen Abwägung und sollte in jedem Fall fachärztlich, d.h. durch den behandelnden Frauenarzt erfolgen. Zur Behandlung einer Osteoporose kommen Östrogenpräparate daher nur noch zum Einsatz, wenn die anderen zur Verfügung stehenden Medikamente nicht ausreichend gut vertragen werden.

Grundsätzlich gilt es bei der Einleitung der medikamentösen Therapie sowohl das Auftreten möglicher Nebenwirkungen als auch etwaige Medikamentenwechselwirkungen bzw. bestehende Vorerkrankungen des Betroffenen in Blick zu nehmen und zu behalten.

Wie können Sie Osteoporose frühzeitig entgegenwirken?

Die Osteoporose ist – wie alle Volkskrankheiten – ein chronisches Leiden, das sich am besten durch das rechtzeitige Erkennen und die Verringerung von Risikofaktoren vermeiden bzw. abmildern lässt.

Die Wichtigkeit einer in Bezug auf den Kalziumhaushalt ausgewogenen Ernährung. Menschen, die an einer Laktoseintoleranz leiden oder sich strikt vegan ernähren, sollten beispielsweise auf die ausreichende Einnahme von Mineralwasser, Nüssen, Hülsenfrüchten und dunkelgrünem Gemüse achten. Säure- und phosphathaltige Lebensmittel hingegen wie Wurstwaren oder zuckerhaltige Speisen und Getränke sind „Kalziumräuber“ und daher zu vermeiden.

Achten Sie außerdem auf ausreichend Bewegung, denn ohne diese bauen sich Knochen ab und das Risiko der Osteoporose steigt. Dabei ist Bewegung nicht gleich Bewegung: Anregend für den Knochenaufbau sind vor allem Kraft- und Gleichgewichtsübungen wie ein spezielles Vibrationstraining oder eine gezielte Krankengymnastik . Sie führen neben einer verbesserten Balance und Koordination auch zu einer Schmerzlinderung und werden von den gesetzlichen Krankenkassen gefördert.

Weiterführende Informationen unter:
www.osteoporose-deutschland.de
www.dv-osteologie.org (dvo/osteoporose leitlinien)
www.laekb.de

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