Diabetisches Fußsyndrom – Folgeerkrankung eines Diabetes

Das diabetische Fußsyndrom, auch „diabetischer Fuß“ genannt, ist eine der Folgeerkrankungen des Diabetes mellitus, die Betroffene am häufigsten fürchten.

Was ist ein diabetisches Fußsyndrom?

Als Folgeerkrankung eines Diabetes mellitus kann sich bei Betroffenen ein diabetisches Fußsyndrom entwickeln. Dies geschieht nicht von heute auf morgen, sondern ist ein langer Prozess: Die Nervenzellen und die Durchblutung werden durch die fortgeschrittene Zuckerkrankheit langfristig zerstört.

Das hat zum einen zur Folge, dass das Gewebe nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt wird und Schadstoffe nicht mehr abtransportiert werden können. Zum anderen werden auch äußere Reize auf den Fuß falsch oder gar nicht mehr wahrgenommen. Chronische Wunden und Wundbrand (Gangrän) entstehen und werden oft zu spät entdeckt.

Drei wesentliche Faktoren, die zum diabetischen Fußsyndrom beitragen

Fast jeder dritte bis fünfte Diabetiker ist mindestens einmal in seinem Leben von einem diabetischen Fuß betroffen. Doch welche Auslöser gibt es für dieses Krankheitsbild?

1. Nervenschädigungen (periphere Neuropathie)

Der langanhaltende hohe Blutzuckerspiegel schädigt die Nerven. Es kommt zu Störungen des:

  • Schmerz-
  • Temperatur-
  • Vibrations-
  • und Druckempfindens.


Zusätzlich wird auch der Spannungszustand der Fußmuskulatur geschwächt. Die Folge: Das Fußgewölbe sackt zusammen und es entstehen Druckstellen an Zehen und der Fußsohle. Auch ein Taubheitsgefühl kann sich einstellen. Wunden können sich mit Bakterien infizieren und zu Geschwüren wachsen. Durch das gestörte Schmerzempfinden merken Betroffene lange nicht den eigentlichen Zustand ihrer Füße.
Auch der Zustand der Haut ändert sich: Die Schweißproduktion wird verringert und die Hautgefäße weiten sich. Dadurch wird die Haut rissig und trocken – auch hier können Bakterien in offene Wunden eindringen.

2. Arterielle Durchblutungsstörungen

Der hohe Blutzuckerspiegel schädigt die Durchblutung dermaßen, dass Stoffe im Körper langsamer von Zelle zu Zelle, von Körperteil zu Körperteil transportiert werden können. Dadurch heilen beispielsweise Wunden sehr viel langsamer, als bei einem gesunden Menschen. 

3. Bakterielle Infektionen

Aufgrund der Nervenschädigung und Durchblutungsstörungen funktioniert auch das körpereigene Immunabwehrsystem nur eingeschränkt oder gar nicht. Bakterien können in die offenen Wunden eindringen und für Entzündungen sorgen, die der Körper selbst nicht mehr heilen kann.

Symptome – Wie äußert sich ein diabetisches Fußsyndrom?

Beim diabetischen Fußsyndrom gibt es nicht das eine Krankheitsbild. Die Symptome können sehr unterschiedlich ausgeprägt sein. Erste Anzeichen für einen entstehenden diabetischen Fuß sind:

  • wiederholte Entzündungen bzw. Infektionen im Bereich der Füße, die häufig schmerzfrei bleiben,
  • zunehmend trockene, rissige Haut und verstärkte Hornhautbildung,
  • insbesondere Taubheitsgefühle und/oder (überwiegend nächtliche) Missempfindungen (Kribbeln, Brennen, Stechen), die an den Zehen beginnen.


Bleibt die Krankheit unentdeckt, können chronische Wunden und Wundbrand entstehen. Im weiteren Verlauf des diabetischen Fußsyndroms sind zudem Gelenke, der Bandapparat und Knochen betroffen. 

Welche Risikofaktoren begünstigen die Entstehung des diabetischen Fußsyndroms?

Wird ein Diabetes zu spät erkannt oder unzureichend behandelt, hat dies erhöhten Blutdruck, erhöhte Blutfette und natürlich erhöhten Blutzucker zur Folge. Auf Grund dessen entstehen die beschriebenen Nerven- und Durchblutungsstörungen. Aber auch Verformungen des Fußskeletts spielen bei der Entstehung eines diabetischen Fußes eine tragende Rolle, ebenso wie enges und nicht passendes Schuhwerk. Die Gefäßfunktion wird auch durch Nikotin und Alkohol beeinträchtigt, ebenso wie die fehlende Körperhygiene, insbesondere bei der Fußpflege.

Diagnose diabetisches Fußsyndrom: Welcher Arzt ist für Sie zuständig?

Falls Sie die oben beschriebenen Symptome und Anzeichen an Ihrem Körper erkennen, sollten Sie sich so schnell wie möglich zu Ihrem Hausarzt begeben. Dieser kennt Ihre Krankengeschichte und untersucht ganz speziell Ihre Füße. Bei der Untersuchung achtet der Arzt besonders auf:

  • Hautwunden
  • Druckstellen
  • Aussehen der Zehennägel


Weiterhin führt er folgende Tests mit Ihnen durch:

  • Überprüfung Ihrer Reflexe
  • Druckempfindlichkeit und Tastsinn
  • Tasten der Fußpulse
  • Messung des Blutdrucks an den Fußarterien
  • Sonographie für die Ermittlung der Geschwindigkeit des Blutflusses
  • Angiographie: Einengungen der Verschlüsse in Blutgefäßen mittels Kontrastmittel und Röntgen


Das diabetische Fußsyndrom ist durch seine individuelle Ausprägung eine sehr komplexe Erkrankung, die das Zusammenspiel mehrerer Spezialisten mit sich bringt: Hausarzt, Diabetologe, Gefäßchirurg, Orthopäde, Podologe usw. 

Wie wird das diabetische Fußsyndrom behandelt?

Die Pflege und Behandlung des diabetischen Fußsyndroms ist abhängig von der Höhe des Risikos und dem Ausmaß der Schädigung. Ist der Diabetes bereits gut eingestellt und liegen keine weiteren Risikofaktoren durch eine Fußfehlstellung oder bereits zurückliegende Infektionen vor, reicht es, den Fuß einmal jährlich durch den Arzt – und zwar möglichst den behandelnden Diabetologen – kontrollieren zu lassen. Bestehen bereits Schädigungen im Bereich des Fußes, sind engmaschigere Überprüfungen (ggf. in einer Spezialambulanz) notwendig.

Bei der Behandlung des diabetischen Fußsyndroms steht die Ursachenbekämpfung im Vordergrund. Gerade zu Beginn dieser Krankheit können Fußpflege und passendes Schuhwerk das Fortschreiten des diabetischen Fußes aufhalten bzw. deutlich verlangsamen. Ist die Krankheit fortgeschritten, müssen Wunden regelmäßig versorgt und kontrolliert sowie Verbände häufig gewechselt und kontrolliert werden. Weiterhin tragen Bypässe zur besseren Durchblutung bei.

Komponenten der Behandlung des diabetischen Fußsyndroms:

  • Optimierung des Stoffwechsels
  • Kontrolle der Infektionen
  • Druckentlastung
  • Wundbehandlung und -versorgung
  • Behandlung der Gefäßerkrankungen
  • Chirurgische Korrektur von Fuß- bzw. Zehenfehlstellungen
  • Schulung des Betroffenen
  • Medizinische Fußpflege

Diabetisches Fußsyndrom: Wie hoch ist das Risiko einer Amputation?

Bei der Diagnose „diabetischer Fuß“ denken viele Patienten sofort an die Amputation der betroffenen Körperteile. Das ist aber nur dann der Fall, wenn Betroffener und/oder Arzt die Krankheit nicht rechtzeitig erkennen und behandeln. In diesem Fall muss das infektiöse Gewebe entfernt werden, oft eben der komplette Fuß. Deswegen ist es so wichtig, als Erkrankter seine Füße immer im Blick zu behalten und lieber einmal mehr zur Untersuchung beim Arzt zu gehen.

Wie können Sie der Erkrankung an einem diabetischen Fußsyndrom vorbeugen?

Betroffene mit Diabetes mellitus sollten einfach im Blick haben, dass sie erste Anzeichen eines diabetischen Fußes nicht ignorieren, sondern ernst nehmen. Zudem gibt es zahlreiche Maßnahmen, die das Entstehen der Krankheit verhindern oder den Fortschritt verlangsamen können:
 

  1. Die richtige Fußpflege
  2. Das passende und richtige Schuhwerk

1. Die richtige Fußpflege bei diabetischem Fußsyndrom

Schauen Sie sich täglich, am besten mithilfe eines Spiegels, Ihre Füße genau an. Inspizieren Sie dabei nicht nur die Sohle, sondern gerade auch die Zehenzwischenräume. Entdeckte Risse, Druckstellen und Schwielen sollten sie umgehend Ihrem Arzt zeigen. Auch die Hygiene ist bei einem diabetischen Fußsyndrom besonders wichtig: Das Waschen der Füße beugt einer zu starken Keimbesiedelung vor. Verwenden Sie dazu eine rückfettende Seife. Die Füße müssen dabei sorgfältig und vorsichtig abgetrocknet werden (Tupfen ist besser als Reiben, denn es reduziert das Verletzungsrisiko). Dies ist wichtig, um der Vermehrung von Keimen und der Entwicklung von Fußpilz entgegenzuwirken. Am besten eignet sich für die Fußpflege ein kurzes, nicht länger als fünfminütiges Fußbad am Abend. Um Druckschädigung und Einrisse der Haut zu verhindern, besteht ein weiterer wichtiger Teil der Pflege in der regelmäßigen Entfernung abgestorbener Hautanteile, der sog. Hornhaut. Nutzen Sie dafür lieber einen Bimsstein anstatt eines Hornhauthobels, weil auch dieser leicht neue Verletzungen verursacht.

Ist der Fuß bereits vorgeschädigt oder die regelmäßige eigene Pflege z.B. aufgrund eingeschränkter körperlicher Beweglichkeit oder des Sehvermögens nicht möglich, sollten Sie die Fußpflege in die professionellen Hände eines sog. Podologen bzw. einer Podologin legen. Sobald ein diabetisches Fußsyndrom ärztlich gesichert festgestellt wurde, übernehmen die Krankenkassen die Kosten der podologischen Behandlung auf Rezept. 

2. Das passende und richtige Schuhwerk bei einem diabetischen Fuß

Schuhwerk, das nicht atmungsaktiv ist, scheuert oder quetscht – etwa durch Nähte, Riemen oder Reißverschlüsse –, schadet den Füßen und erhöht das Verletzungsrisiko. Füße sollten in den Schuhen sowohl nach vorn als auch zur Seite hin immer genug Platz haben und entlastet werden. Dies ist umso wichtiger, weil Diabetiker ein schlechtes Schmerzempfinden haben und Druck nicht gut spüren. Auch das Barfußlaufen birgt Risiken, beispielsweise bei Verletzungen der Fußsohle durch kleine Steinchen.

Um den schwerwiegenden Krankheitsverläufen des diabetischen Fußsyndroms vorzubeugen, ist eine spezielle Schuhversorgung durch einen orthopädischen Schuhtechniker sinnvoll und dringend zu empfehlen, besonders wenn neben dem Diabetes auch eine Fußfehlstellung vorhanden ist. Diabetikerschuhe müssen zudem auch an den individuellen Fuß des Betroffenen angepasst werden: Schon allein aufgrund ihrer speziellen Fußbettung. Zudem gibt es ganz spezielle Diabetikersocken, die am Knöcheln nicht einschnüren, keine störenden Nähte haben und einen hohen Baumwollanteil besitzen.

Lassen Sie sich dazu unbedingt in einem Fachgeschäft beraten, um sich einen Überblick zu allen therapieunterstützenden Maßnahmen zu verschaffen. 

Die Besonderheiten des Diabetischen Fußsyndroms

Die Besonderheit des Diabetischen Fußsyndroms besteht in seiner Vielschichtigkeit und darin, dass das Risiko seiner Entwicklung und Schwere oft unterschätzt wird. Wie kaum ein anderes Krankheitsbild erfordert es angemessene Vorsorge und die enge Zusammenarbeit unterschiedlicher Fachrichtungen: der Inneren Medizin und Diabetologie, der Orthopädie sowie der (Gefäß-)Chirurgie.

Einen raschen, guten Austausch von besonders erfahrenen Ärzten und eine entsprechende Behandlung findet man in den inzwischen entstandenen Fußambulanzen. Gerade wenn die Wundbehandlung sehr schwierig ist oder gar die Amputation von Gliedmaßen erwogen wird, sollte dort nach einer Zweitmeinung gefragt werden. Grundsätzlich gilt für Diabetiker: Fußwunden sollten weder „ausgesessen“ noch in Eigenregie behandelt werden.

Sie gehören unmittelbar in die Hand von Spezialisten. Gleichzeitig aber beruhen die besten Schutzmaßnahmen auf dem eigenen Wissen über dieses Krankheitsbild und der Bereitschaft zu den genannten präventiven – also vorbeugenden – Maßnahmen.

Weiterführende Informationen unter:
www.diabetes-ratgeber.net
www.deutsche-diabetes-gesellschaft.de
www.internisten-im-netz.de

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