Kompressionstherapie – mit Druck den Blutkreislauf ankurbeln

Unter dem Überbegriff Kompressionstherapie werden in der Medizin alle Behandlungen gefasst, die durch eine Druckausübung zum besseren Abfluss von Flüssigkeit führen.

Venenleiden gehen mit Wassereinlagerungen bzw. Schwierigkeiten des richtigen Transports im Flüssigkeitskreislauf des Körpers einher. Im engeren Sinn bezieht sich die Kompressionstherapie auf den venösen Schenkel dieses Kreislaufs und zwar auf das venöse Beingefäßsystem. Wie diese Behandlung im Einzelnen funktioniert, und was dabei zu beachten ist, wird im Folgenden näher beleuchtet.
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Was bewirkt die Kompressionstherapie bei Venenerkrankungen?

Venenerkrankungen gehen mit einer Vergrößerung des Gefäßdurchmessers und eingeschränkter Funktion der Venenklappen einher. Dadurch entsteht bei Venenleiden im Laufe der Zeit ein Teufelskreis, der zu einer immer weitergehenden Erschlaffung des Venensystems führt. Schlimmstenfalls entwickelt sich eine sog. chronische venöse Insuffizienz, die die Gefahr ausgedehnter, schmerzhafter und schwer zu behandelnder Gewebsschädigungen, das sog. „offene Bein“, in sich birgt. Wird nun aber gezielter Druck auf das betroffene Gebiet und die Venen ausgeübt, verkleinert sich der Gefäßdurchmesser wieder. 

Durch Kompression zur Heilung

Durch die Therapie erhöht sich der Rückstrom des Blutes und die Funktionsfähigkeit der Venenklappen verbessert sich, wenn diese zuvor nicht bereits zu stark geschädigt waren. Durch den von außen ausgeübten Druck steigt auch der Druck im Gewebe, wodurch das Gewebswasser, das sich dort angestaut hat, wieder in den Blutkreislauf bzw. die Lymphbahnen zurückgedrängt wird. So nimmt die Fließgeschwindigkeit in den kleinsten Blutgefäßen, den Kapillaren, zu. 

Dies wiederum bewirkt, dass, wie beim Gesunden, weniger Flüssigkeit in das Gewebe übertritt. Zusätzlich werden bestimmte Moleküle aktiviert, die wie ein Damm wirken, indem sie die Gefäßwände abdichten und so die Wassereinlagerung im Gewebe weiter reduzieren. Dadurch werden Schmerzen gelindert und das Volumen reduziert, das betroffene Körperteil schwillt ab. Auch Wunden und Entzündungen können so schneller abklingen.

Welche Arten der Kompressionstherapie gibt es?

Die Kompressionstherapie kann auf unterschiedliche Weise ausgeübt werden, meist durch Bandagieren mit Kompressionsverbänden oder die sog. Strumpfversorgung.

Apparative Verfahren – die sog. apparative intermittierende Kompressionstherapie – kommen seltener zu Einsatz. Dabei handelt es sich um Manschetten, die um Beine und Arme gelegt werden und deren Luftdruck mittels eines Kompressors verändert werden kann. Überwiegend wird sie bei bettlägerigen bzw. stark bewegungseingeschränkten Patienten genutzt, weil diesen die unterstützende Pumpfunktion der eigenen Muskulatur nicht mehr ausreichend zur Verfügung steht.

Die Kompressionstherapie ist also nicht immer gleich, sondern von Fall zu Fall verschieden. Sie richtet sich nach Art, Schwere und Verlauf der Erkrankung sowie der individuellen Risiko-Nutzen-Abwägung. Bei dieser müssen die Lebensumstände des Betroffenen, aber auch mögliche zusätzliche (Vor-)Erkrankungen gezielt berücksichtigt werden.

Die Kompressionstherapie ist unverzichtbare Behandlungsmaßnahme bei:

  • Fortgeschrittenem Krampfaderleiden (sog. Varikosis)
  • Zeichen deutlicher chronisch-venöser Insuffizienz
  • Ödem- bzw. drohender Krampfaderbildung während der Schwangerschaft
  • nach bzw. zur Vorbeugung einer (erneuten) Thrombose 
  • Entgegenwirken der Entwicklung eines sog. postthrombotischen Syndroms 
  • Lymph- und fortgeschrittenem Lipödem
  • nach plastisch-chirurgischen Eingriffen, z.B. Brustoperationen in Folge von Krebserkrankungen


Früher wurde nach jeder Krampfaderoperation, auch nach Verödung von Krampfadern, zu einer längeren Kompressionstherapie geraten. Dieses Vorgehen ist inzwischen jedoch nicht mehr unumstritten.

Ablauf der Kompressionstherapie im Bein

Grundsätzlich kann man zwei Phasen der Kompressionstherapie unterscheiden. Am Anfang steht eine Entstauungsphase. Sie dauert in der Regel etwa 2–4 Wochen und dient dazu, den Beinumfang zu reduzieren. Hier kommen Binden und Kompressionsverbände, die auf verschiedene Weise angelegt bzw. gewickelt werden müssen, zum Einsatz. Richtiges Wickeln will geübt und gekonnt sein, denn es geht darum, dass die Binden nicht verrutschen – sie wären dann nutzlos – aber auch keinen zu starken Druck auszuüben, damit weder Haut- noch Nervenschädigungen entstehen.

Ist das Bein ausreichend abgeschwollen, beginnt der zweite Schritt der Therapie: die Erhaltungsphase, die auf einer Strumpfversorgung beruht. Es geht dabei darum, anhaltend gute Druckverhältnisse zu schaffen und gleichzeitig eine möglichst uneingeschränkte und unbeschwerte Bewegungsfreiheit im Alltag zu garantieren. Oft muss die Strumpfversorgung das ganze Leben lang erfolgen, manchmal nur einige Monate. Das ist vom genauen Krankheitsbild und seiner Schwere abhängig.

Strumpfversorgung: Was ist der Unterschied zwischen Kompressionsstrümpfen und Stützstrümpfen?

Kompressionsstrümpfe werden umgangssprachlich oft auch Stützstrümpfe genannt bzw. mit diesen verwechselt. Kompressionsstrümpfe gibt es jedoch nicht von der Stange. Sie sind Maßarbeit und müssen – ärztlich verordnet – im Sanitätsfachhandel genau vermessen und angepasst werden. Dort wird auch das Anziehen des Strumpfes gezeigt. Patienten, die sich aufgrund ihres Alters, ihres Gewichts oder Schäden ihres Bewegungsapparates nicht mehr gut zu bewegen vermögen, stehen spezielle Anziehhilfen zur Verfügung. Auch sie können verschrieben werden und sind im Sanitätsfachhandel erhältlich.

Anfangs bereitet es gerade im Bereich der Füße und Kniekehlen eine gewisse Anstrengung, die Kompressionsstrümpfe überzuziehen. Denn die Druckausübung der Kompressionsstrümpfe erfolgt im Gegensatz zu Stützstrümpfen nicht gleichmäßig, sondern entspricht genau den körperlichen Erfordernissen: So ist sie im Knöchelbereich am stärksten, denn dort lastet im Stehen auch der höchste Venendruck, der zur Kniekehle hin abnimmt. Der Strumpf darf dort keinesfalls ab- bzw. zu stark einschnüren, da die Vene in diesem Bereich relativ ungeschützt, dicht unter der Oberfläche liegt. 

Welche Kompressionsstrümpfe gibt es?

Es gibt die Kompressionsstrümpfe in unterschiedlichen Längen, Materialen und Stärken, beispielsweise können sie als rund- oder flachgestrickte Strümpfe hergestellt werden. Ihre jeweilige Verarbeitung richtet sich nach dem Ausmaß der Schädigung und der erforderlichen Druckausübung. Entsprechend werden sie in verschiedene Kompressionsklassen unterteilt. Bezugspunkt bildet dabei der notwendige Druck im Fesselbereich. In Deutschland unterscheidet man vier Kompressionsklassen. Am häufigsten verordnet werden Strümpfe der Klasse II.

Die Strümpfe können in ihrer kürzesten Form als Socken nur die Füße bedecken oder als Strumpfhose bis unter die Brust hinaufreichen. Auch abgesehen von Füßen und Beinen kann die Kompressionstherapie zur Behandlung eines Lymphödems im Arm oder in Form eines Stütz-BHs eingesetzt werden. Nach einer Brustoperation kann damit nicht nur die Gefahr von Wassereinlagerungen und Einblutungen ins Gewebe verringert werden, sondern der Stütz-BH führt ebenso zu einer Umverteilung der Fettzellen und wirkt so der Schrumpfung und Wellenbildung der Haut entgegen.

Mit Kompressionstherapie können u.a. folgende Körperbereiche behandelt werden:

  • Füße
  • Beine
  • Arme
  • Bauch
  • Brust

Risiken der Kompressionstherapie

Die Risiken und Nebenwirkungen der Kompressionstherapie sind gering, wenn das jeweilige Kompressionsmaterial gut angepasst und regelmäßig getragen wird. Wichtig ist es jedoch – und dies wird häufig vergessen – auf eine ebenso gute und regelmäßige Hautpflege zu achten, besonders wenn schon Vorschäden oder Reizungen der Haut wie etwa bei einer Neurodermitis bestehen. Denn obwohl das Strumpfmaterial mittlerweile viel hautfreundlicher, latexfrei, atmungsaktiv, oftmals dünner und dadurch – gerade auch im Sommer – angenehmer zu tragen ist, kann es immer noch zu folgenden Auswirkungen kommen:

  • Hauttrockenheit
  • Schuppung
  • Juckreiz und
  • Temperaturmissempfindungen


Eine entsprechende Fachberatung hilft, die geeigneten Hautpflegeprodukte zu finden, um einer solchen Entwicklung entgegenzuwirken. Auch sollte die Gefahr von Haut- und/oder Nervenschädigungen bei unsachgemäßem Gebrauch immer im Auge behalten werden. Die Bandagen und/oder Strümpfe müssen fest und gut sitzen, aber nicht so eng, dass sie – etwa durch Faltenbildung – einschneiden oder abschnüren.

Achtung bei schweren Erkrankungen

Sind der arterielle Blutfluss oder die Herzfunktion schwer beeinträchtigt, und/oder die Nerven, die an die Körperoberfläche ziehen – wie etwa in Folge einer langjährigen und dabei nicht gut eingestellten Zuckerkrankheit – würde eine Kompressionsbehandlung den Patienten weiter schädigen. Diese Therapie kommt daher für Patienten mit folgenden Krankheiten nicht in Frage:

  • Arterielle Verschlusskrankheit (AVK)
  • Schwere Herzinsuffizienz
  • Lungenödem 
  • Herzinfarkt 


Auch bei Peripherer (diabetischer) Neuropathie muss eine Behandlung mit Kompression sehr genau abgewogen werden.

Bedeutung körperlicher Bewegung für den Erfolg der Kompressionstherapie

Eine Kompressionsbehandlung kann nur dann erfolgreich sein, wenn der Betroffene über die Ursachen seiner Erkrankung und die Wirkungsweise der Kompressionstherapie gut Bescheid weiß und zur Mitarbeit bereit ist.

Früher erhielt fast jeder ältere Patient, der einige Tage im Krankenhaus verbringen musste, Stützstrümpfe, um das Thromboserisiko zu senken. Mittlerweile hat man erkannt, dass dies nur auf chirurgischen Stationen sinnvoll ist. Viel wichtiger ist die regelmäßige körperliche Bewegung. Denn ohne Bewegung verlieren die Muskelpumpen des Körpers ihre Funktionsfähigkeit und damit auch die von außen ausgeübte Druckunterstützung ihren Nutzen.


Mit kleinen Übungen die Pumpfunktion aktivieren

Muskeltraining kann vorzugsweise, muss aber nicht zwingend, durch (Ausdauer-)Sport erfolgen. Es gibt auch kurze, alltagstaugliche Übungen, wie die sog. Venengymnastik, die die Pumpfunktion der Muskulatur bereits ausreichend aktivieren. Auch sollte man immer im Hinterkopf behalten, dass der Flüssigkeitsstau im Körper der Schwerkraft folgt: Stehen und Sitzen belasten also das Venensystem viel stärker als Liegen oder Laufen. Daraus folgt: Wer sehr lange am Schreibtisch oder vor dem Computer sitzt, sollte zwischendrin die Beine hochlegen, oder – noch besser – eine kleine Runde im Raum oder um den Block drehen, damit das Blut in Schwung kommt.

Weiterführende Informationen unter:
www.allgemeinarzt-online.de
www.phlebology.de

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