Rückenschmerz – schmerzhafter Begleiter im Alltag

Das Thema Rückenschmerz ist immer wieder in aller Munde und mit Artikeln und Büchern zu diesem Thema lassen sich ganze Bibliotheken füllen.

Was sind unspezifische Rückenschmerzen?

Vom unspezifischen Rückenschmerz wird dann gesprochen, wenn es keinen klaren Zusammenhang zwischen Schmerz und einer ihn auslösenden Erkrankung gibt, wie dies z.B. bei einer Bandscheibenschädigung, einer Entzündung oder Metastasen im Bereich der Wirbelsäule der Fall ist. Allerdings kann es sich auch oft um degenerative Veränderungen, den sog. (Alters-)Verschleiß, handeln. Dies führt häufig zu weiterer Verwirrung bzw. einer unnötigen Ausweitung diagnostischer und medikamentöser Maßnahmen – nämlich der zu frühen, zu häufigen, zu hohen und/oder zu langen Einnahme von Schmerzmitteln.

Wie viele Menschen sind von Rückenschmerzen betroffen?

Eine große Anzahl an Menschen ist durch Rückenprobleme beeinträchtigt. So leiden 85% aller Deutschen mindestens einmal in ihrem Leben an Rückenschmerz. Jede vierte Frau und jeder sechste Mann sind von nahezu täglich auftretenden Rückenschmerzen von mindestens dreimonatiger Dauer betroffen. Diese Zahlen steigen mit zunehmendem Alter an.

Deshalb bedeuten Rückenschmerzen volkswirtschaftlich und damit gesundheitspolitisch gesehen schon seit Jahrzehnten ein großes, bisher nicht befriedigend zu lösendes Problem: Sie begründen nach wie vor die höchste Zahl an krankheitsbedingten Fehltagen – im Jahr 2016 waren es durchschnittlich je Fall 18 Fehltage pro Jahr – und damit 21,7% aller Krankschreibungen. Auch als Grund für Frühberentungen liegen Rückenschmerzen mit dem zweiten Platz fast an der Spitze.

Um Rückenschmerzen entgegenzuwirken, müssen als erstes die Ursachen für diesen schmerzhaften Zustand gefunden werden. Dass der Rücken so anfällig für Beschwerden ist, hat jedoch vielerlei Gründe. Sie sind zum einen in seiner Anatomie und Funktion begründet, zum anderen – wie bei chronifizierten Schmerzzuständen häufig – in den jeweiligen Lebensumständen des Betroffenen.

Welche anatomische Gründe haben Rückenschmerzen?

Der Rücken „funktioniert“ als äußerst komplexes Zusammenspiel einer Reihe von unterschiedlichen Stütz- und Bindegeweben. Neben Knochen, Knorpel, Gelenken und Sehnen, gehören dazu auch verschiedene Muskelgruppen, die von den sog. Faszien gehalten und voneinander abgegrenzt werden. Stützpfeiler des Rückens bildet die Wirbelsäule, die wiederum einen schützenden, knöchernen Hohlraum für das Rückenmark bietet, aus dem Nervenbahnen (die sog. Spinalnerven) weiter in den Körper ziehen.

Die Wirbelsäule dient uns als Stabilisator

Die Wirbelsäule trägt den ganzen Menschen und seine Last. Sie besteht nicht nur aus Knochen, sondern zusätzlich aus einem wesentlich weicheren Bauelement mit hoher Elastizität: den Bandscheiben. Sie wirken wie ein Gelkissen und haben eine Pufferfunktion. So garantiert die Wirbelsäule Beweglichkeit und kann gleichzeitig den auf den Körper einwirkenden Kräften Stand halten.

Unter Belastung verlieren die Bandscheiben etwas von ihrer Flüssigkeit, gewinnen diese aber in der belastungsfreien Zeit wieder zurück. Erst mit zunehmendem Alter, etwa ab dem 30. Lebensjahr, gelingt die Rückgewinnung von Flüssigkeit nicht mehr. Die Bandscheibe verändert ihre Struktur durch Alterungsprozesse, droht manchmal zu verschieben und dabei die Nerven des Rückenmarks in Mitleidenschaft zu ziehen.

Deshalb versucht der knöcherne Teil der Wirbelsäule durch bestimmte Umbaumaßnahmen entgegenzusteuern, trotzdem nimmt die Beweglichkeit ab. Die Wirbelsäule wird also steifer. Der Rückenschmerz jedoch rührt, wenn es sich nicht um eine gravierende Verschiebung der Bandscheibe handelt, die auf einen Rückenmarksnerv drückt (Bandscheibenvorfall), meist aus Verspannungen der umgebenden Muskulatur. Eine Stärkung der Rückenmuskulatur kann deshalb diese Muskelverspannungen verhindern und den Bewegungsapparat wieder aktivieren.  

Bei Rückenschmerzen die Krankengeschichte beachten

Wie bereits im Artikel über die Arthrose beschrieben – denn die Wirbelsäule kann man auch als überdimensionales, mehrgliedriges Kettengelenk verstehen – führt ein Röntgenbild allein nicht weiter. Abnutzungserscheinungen gehören zum Alter und müssen nicht zwangsläufig zu Beschwerden führen. So ließ sich bereits vor mehr als zwei Jahrzehnten in groß angelegten Studien nachweisen, dass 40 Prozent aller über 40-Jährigen einen Bandscheibenvorfall haben, ohne es zu merken.

Aus diesem Grund ist man inzwischen bemüht, wieder mehr Augenmerk auf die gezielte körperliche Untersuchung und die Erhebung der Krankheitsgeschichte, der Anamnese, zu legen. Denn sie bilden die eigentliche Grundlage der Diagnostik und einer guten Behandlungsplanung. Verständnis für die Erkrankung, ihre Ursachen und die Art ihrer Behandlung sollte von Seiten des Arztes an den Patienten vermittelt werden.

Unspezifische Rückenschmerzen mit unklarer Ursache

Bei unspezifischen Rückenschmerzen können im Gegensatz zu einem Bandscheibenvorfall im Rahmen der Untersuchung keine Hinweise auf eine spezifische Ursache der Krankheit oder einen gefährlichen Verlauf gefunden werden. Außerdem ist der unspezifische Rückenschmerz meist selbstlimitierend, d.h. er hört nach einiger Zeit von alleine wieder auf. 

Behandlung und Therapie: Was hilft wirklich gegen Rückenschmerzen?

Bevor man auf medikamentöse Behandlungsmöglichkeiten bei Schmerzen im Rücken zurückgreift, eignen sich auch noch andere Alternativen als Therapie gegen Rückenschmerzen. Wichtig ist für alle Betroffenen ein gezieltes Informieren und eine ausführliche Beratung, um die bestmögliche Behandlungsart gegen die Schmerzen zu finden.

Dazu zählt: 

  • Ausreichend Bewegung
  • Medikamentöse Behandlung
  • Multidisziplinäre Assessments

Aktiv und fit - Bleiben Sie in Bewegung

Trotz der bestehenden Beschwerden sollten Menschen, die an Rückenschmerzen leiden, in Bewegung zu bleiben und dabei schädigende Bewegungsmuster vermeiden. Sonst stellt sich schnell eine Schonhaltung ein, die Auswirkungen auf den Bewegungsapparat haben kann. Früher gab es dafür starre Empfehlungen, z.B. nur mit geradem Rücken schwerere Lasten zu tragen. Dies hat sich inzwischen geändert und man weiß:

Bewegung soll nicht nur, sie muss sogar Spaß machen, denn sie wird sonst nicht weitergeführt. Außerdem kommt es im Alltag vor allem auf die Möglichkeit zum Haltungswechsel an, da oft langandauernde Zwangshaltungen, insbesondere langes Sitzen, zu Rückenbeschwerden führen. Unter bestimmten Umständen gibt es die Möglichkeit, mit rückenfreundlichen Stühlen und Tischen den Arbeitsplatz rückengerecht zu gestalten.

Zu einer verbesserten Beweglichkeit und Schmerzlinderung durch die Lockerung muskulärer Verspannung tragen natürlich auch physikalische und krankengymnastische Behandlung bei, so z.B. Wärmeanwendungen, Ultraschall, Strom und Massagen.

Mit gezielten Bewegungen den Beschwerden entgegenwirken

Mittlerweile bieten so gut wie alle gesetzlichen Krankenkassen entsprechende Schulungs- und Bewegungsprogramme wie Rückenschule und Übungen an, die man auch ganz einfach Zuhause nachmachen kann. 

In letzter Zeit wird beispielsweise der Rolle der Faszien bei der Entwicklung von Rücken- und Gelenksbeschwerden zunehmend Bedeutung geschenkt und körperliche Trainingsprogramme entsprechend ausgerichtet, z.B. durch Dehnungsübungen oder ein spezielles Faszientraining. Für extra Stabilität können medizinische Bandagen genutzt werden, die die geschädigten Rückenbereiche stützen und damit ruhigstellen können. Dafür eignen sich beispielsweise Rückenbandagen oder ein Kinesio-Tape. Solch ein Tape wird wie ein Pflaster angebracht und stabilisiert die Gelenke und Muskeln, ohne zu behindern. Deshalb kann ein Kinesio-Tape gut für sportliche Aktivitäten genutzt werden. 

Zusammenfassend sollten diese Punkte berücksichtigt werden: 

  • regelmäßiges körperliches Training
  • physikalische oder krankengymnastische Behandlung
  • Bewegung muss Spaß machen
  • Haltungswechsel in den Alltag einbauen

Medikamentöse Behandlung – nicht in Eigenregie handeln

Medikamente sollten bei der Behandlung des unspezifischen Rückenschmerzes erst an zweiter Stelle stehen, nichtsdestotrotz werden sie häufig verschrieben oder in Eigenregie genommen. Dies ist aber keineswegs ungefährlich. Und zwar nicht nur wegen der vielfachen Neben-, bzw. Wechselwirkungen der Schmerzmedikamente, sondern aufgrund der Gefahr einer Abhängigkeitsentwicklung. 

Auch führen manche Präparate selbst zu neuem, zusätzlichem Schmerz, z.B. in Form von Kopfschmerzen. Deshalb sollte vorher abgewogen werden, ob sich die medikamentöse Behandlung in Hinblick auf die Ursachen lohnt. Allenfalls sollte diese begleitend und nicht als Hauptbehandlung verwendet werden. Behandelt wird in der Regel mit Medikamenten einer bestimmten Wirkstoffklasse, den NSAR (steht für Nicht Steroidale Antirheumatika), die schmerzlindernd und entzündungshemmend wirken. Diese sollten so niedrig wie möglich dosiert und so kurz wie möglich verschrieben bzw. eingenommen werden.

Für die medikamentöse Behandlung von Rückenschmerz gilt daher:

  • allenfalls begleitende Einnahme 
  • vorher Risiko-Nutzen-Abwägung
  • Dosierung so niedrig wie möglich
  • Einnahme so kurz wie möglich

Was passiert, wenn die Rückenschmerzen trotz Behandlung nicht verschwinden?

Halten die Rückenscherzen trotz der o.g. Maßnahmen länger als sechs Wochen an und führen zudem zu deutlichen Einschränkungen der Aktivität, sei es im privaten oder im beruflichen Bereich, muss die Diagnosestellung noch einmal überprüft und der diagnostische Blick erweitert werden. Dies geschieht im Rahmen eines sog. multidisziplinären Assessments. Darunter wird der enge Austausch unterschiedlicher SpezialistenInnen (OrthopädenInnen, KrankengymnastenInnen, Schmerz- und SporttherapeutenInnen, PsychologenInnen) verstanden, die gemeinsam an einem maßgeschneiderten Behandlungsplan für den Betroffenen arbeiten.

Dieser Behandlungsplan kann entweder ambulant, d.h. zu Hause am Wohnort, ggf. aber auch stationär in einer entsprechenden Rehabilitationseinrichtung bzw. Fachklinik umgesetzt werden. Der Erfolg dieser Behandlung wird wesentlich vom Krankheitsverständnis und der Behandlungsmotivation des Betroffenen bestimmt; zusätzlich hängt er von der sog. Schnittstellenproblematik ab, ob nämlich die im Rahmen der Behandlung erzielten positiven Veränderungen (so z.B. körperliche Aktivität, verbesserte Stressbewältigung) auch nach der Rückkehr in den Alltag aufrecht erhalten werden können.

Wie können chronischen Schmerzen verhindert werden?

Die Gefahr des unspezifischen Rückenschmerzes liegt in seiner Hartnäckigkeit. Wird er nicht angemessen eingeordnet und behandelt, droht er zu chronifizieren. Mehr noch als bei anderen Erkrankungen gilt es, den ganzen Menschen und seine Lebensumstände in Blick zu nehmen und sich dabei auch über mögliche psychosoziale und arbeitsplatzbezogene Belastungs-bzw. Risikofaktoren im Klaren zu werden. Chronischer Schmerz wird häufig psychisch mitbedingt und/oder hat psychische Folgen. Neben der Beachtung und Anerkennung dieser Zusammenhänge ist – wie bei allen Volkskrankheiten – besonders die Prävention von entscheidender Bedeutung. 

Weiterführende Informationen unter:
www.leitlinien.de (Nicht-spezifischer-Kreuzschmerz, 2. Aufl. 2017)
www.apotheken-umschau.de

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