Supinationstrauma – wenn das Sprunggelenk umknickt

Täglich knicken Tausende von Menschen in Deutschland um und ziehen sich dabei eine Sprunggelenksverletzung zu. Der komplexe Aufbau des Sprunggelenks macht es zwar sehr beweglich, aber auch verletzungsanfällig.

Der Verletzungsumfang muss genau diagnostiziert werden

Die Diagnose „Supinationstrauma“ (lateinisch supinitas = zurückgebogene Stellung) ist den wenigsten ein Begriff, dabei verbirgt sich dahinter eine der häufigsten Sportverletzungen überhaupt: Ein Supinationstrauma entsteht durch das klassische Umknicken des Fußes über die Fußaußenkante. Ein stechender Schmerz zieht durch Fuß und Bein und lässt je nach Schwere und Art der Verletzung nach wenigen Minuten, manchmal aber auch erst nach einigen Stunden wieder nach. Dabei können mehrere Bänder des seitlichen Sprunggelenks reißen oder teilweise reißen; es kann sogar zu Verletzungen des Knochens kommen. Im besten Fall kommt es lediglich zu einer Überdehnung der Kapseln und der Außenbänder („Verstauchung“). Das kann schon wenige Minuten nach dem Unfall zu Blutergüssen und Schwellungen führen, vor allem dann, wenn die empfindliche Gelenkkapsel betroffen ist.

Geht es um das Sprunggelenk, sollte wirklich jede Verletzung ernst genommen werden. Eine falsche Diagnose oder Therapie kann Folgeschäden wie Arthrose nach sich ziehen. Das gilt für leichte Verletzungen genauso wie für schwere.

Der Körper beginnt zu kompensieren

20 Prozent aller Sportverletzungen in Deutschland sind Supinationstraumata. Aber auch im Alltag tritt diese Verletzung sehr oft auf: Jeden Tag erleidet etwa einer von 10.000 Menschen eine Sprunggelenksverletzung. Diese Unfälle werden leider oft als „Bagatellverletzungen“ abgestempelt und nur etwa die Hälfte aller Betroffenen werden anschließend medizinisch behandelt. Dabei drohen erhebliche Folgeschäden.

Der Körper beginnt mit Kompensationsmechanismen, es kommt zu einem Spannungsanstieg in der Gesäßmuskulatur, der Sehnenplatte seitlich des Oberschenkels und dem Hüftbeuger. Dadurch wiederum kann ein Beckenschiefstand entstehen. Funktionell ist das Bein daraufhin kürzer als das andere, was der Körper über die Wirbelsäule auszugleichen versucht. Es drohen Blockierungen und Fehlstellungen in den einzelnen Wirbelsäulenabschnitten sowie der Rippengelenke. Die Symptome sind vielfältig und machen sich oft erst nach einigen Wochen oder Monaten bemerkbar: Sie reichen von Schwindel und Sehstörungen über Kopfschmerzen bis hin zu Ohrgeräuschen. Eine „einfache“ Verletzung des Sprunggelenks kann sich also bis zur Halswirbelsäule fortsetzen.

Die PECH-Regel – Erstmaßnahmen können entscheidend sein

Fachleute sagen, dass jede Minute, die man mit der Erstversorgung nach einem Supinationstrauma wartet, den Heilungsverlauf um jeweils einen Tag verlängert. Die sogenannte PECH-Regel leitet die Erstmaßnahmen an:

P – Pause
E – Eis
C – Compression
H – Hochlagern

Zunächst sollte man nach dem Umknicken jegliche Belastung des Fußes bzw. Gelenkes vermeiden. Auch das Kühlen des Fußes wird immer wieder empfohlen. Aber Vorsicht vor Kälteverbrennungen; legen Sie bei der Verwendung von Kühlpacks oder Eisbeutel immer ein Handtuch auf die Haut. Im Idealfall legen Sie außerdem in Kombination mit dem Kühlpack einen leichten Druckverband an, um das Einbluten in das umliegende Gewebe und eine überproportionale Schwellung zu verhindern. Der Kompressionsverband kann außerdem die Schmerzen etwas lindern. Der verletzte Fuß sollte zudem hochgelagert werden: Legen Sie sich dazu flach hin und erhöhen Sie den betroffenen Fuß mithilfe von Kissen, sodass er über Herzhöhe liegt. Dadurch unterstützen Sie das Lymphsystem beim Abtransport der vorhandenen Schwellung.

Nach einem Supinationstrauma ist der Besuch beim Arzt oder Orthopäden grundsätzlich ratsam. Bei sehr starken Schmerzen, starker Schwellung sowie Blutergussbildung oder gar Frakturanzeichen sollten Sie unverzüglich mittels Röntgen oder MRT abklären lassen, ob knöcherne Strukturen betroffen sind.

Dem Umknicken vorbeugen

Wer dem Umknicken vorbeugen will, sollte auf hochwertige und vor allem optimal passende Schuhe setzen. Auch eine gesunde Fitness trägt dazu bei, dass die Muskulatur rechtzeitig aktiviert und das Verletzungsrisiko minimiert werden. Und: Wer einmal umknickt, hat ein erhöhtes Risiko, dass dies wieder passiert. Die Folge kann eine chronische Instabilität des Sprunggelenks sein. Hier können gezielte (sensomotorische) Übungen, aber auch Krafttraining vorbeugen. Die Übungen helfen außerdem, einen effektiven Laufstil zu entwickeln, sodass die Fuß- und Beinmuskulatur beim Laufen oder Wandern weniger schnell ermüdet. Insgesamt ist es wichtig:

  • die Muskeln, die das Sprunggelenk umgeben, zu stärken,
  • die Bänder im Sprunggelenk zu stärken,
  • die Beinachse zu stabilisieren und
  • die Propriozeption (Eigenwahrnehmung) im Sprunggelenk mithilfe von Balance- und Konzentrationsübungen zu verbessern.

Neben dem passenden Schuhwerk und der körperlichen Fitness, kann das Sprunggelenk auch durch eine spezielle Orthesen oder Bandagen geschützt werden. Das fördert die Durchblutung und kann die Aktivierung der Muskulatur unterstützen. Die Massagewirkung der Bandage kann außerdem die Propriozeption verbessern. Zur Erlangung von Stabilität im Gelenk lohnen sich auch Übungen mit einem Thera-Band.

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