Barrierefreies Bad: Selbstbestimmt leben durch einen altersgerechten Badumbau

Das persönliche Wohlbefinden und die Lebensqualität in den eigenen vier Wänden spielen für jeden Menschen eine wichtige Rolle.
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„Einen alten Baum verpflanzt man nicht“, sagt der Volksmund. Das spricht wahrscheinlich vielen Menschen ab einem bestimmten Alter aus der Seele. Die jahrelang lieb gewonnene Wohnung und das Wohnumfeld sind einem ans Herz gewachsen. Man fühlt sich wohl, fühlt sich integriert, hat soziale Kontakte und den Austausch mit der Nachbarschaft.

Selbstbestimmt und im Idealfall ohne fremde Hilfe der täglichen Körperpflege nachgehen, ist für die meisten Menschen ein grundsätzliches Bedürfnis und bedeutet auch, dass man länger in den eigenen vier Wänden wohnen bleiben kann.

Senior*innen blicken über die anfänglichen Herausforderungen aufgrund von Bewegungseinschränkungen oft lange hinweg. Doch gerade im Bad werden die Hürden täglich spürbar. Mit zunehmendem Alter kommen Fragen auf: „Wie komme ich sicher in die Badewanne und am Ende auch wieder heraus?“ oder: „Wie komme ich sicher mit dem Rollator oder dem Rollstuhl zu WC oder Dusche?“

Eine Antwort auf diese Fragen ist der seniorengerechte Badumbau. In diesem Ratgeberbeitrag erfahren Sie alles über ein barrierefreies Badezimmer. Wir zeigen Ihnen Möglichkeiten auf, wie Sie die Sicherheit im eigenen Bad durch einen barrierefreien Umbau wiederherstellen und welche Möglichkeiten Sie durch eine KfW-Förderung und weitere Zuschüsse zu einem altersgerechten Bad haben.

Warum sollten Sie einen Badumbau in Erwägung ziehen?

Sie wollen auch im Alter in Ihrer eigenen Wohnung bleiben? Werden Sie aktiv! Schon mit geringen baulichen Maßnahmen lassen sich Hürden in Ihrer Wohnung oder im Eigenheim leicht abbauen und Sicherheitsrisiken minimieren. Oftmals kommen Bewohner*innen dank eines altersgerechten Badezimmers sogar weiterhin ganz ohne Hilfe aus, was die Eigenständigkeit in den eigenen vier Wänden stärkt und die Privatsphäre erhält. Moderne sanitäre Anlagen, leicht erreichbare Bedienelemente oder komfortable Accessoires wie z.B. eine Regendusche mit breitem Duschkopf bedeuten zudem mehr Lebensqualität.

Allein die Badewanne, aber auch Duschen und Duschkabinen mit einem hohen Einstieg stellen ein erhöhtes Sturzrisiko dar, insbesondere bei einem nassen Untergrund. Eine barrierefreie Dusche oder Badewanne mit niedrigem Einstieg und Antirutschbeschichtungen für glatte Untergründe können die Gefahr schon deutlich senken.

Spezielle barrierefreie Waschtische mit integrierten Haltegriffen, großen Ablageflächen für Pflegeutensilien und leichtgängigen Armaturen mit Verbrühschutz bringen ebenfalls mehr Sicherheit und Komfort ins eigene Bad. Außerdem können zusätzliche senkrechte und waagerechte Halte- und Stützgriffe angebracht werden. Diese sind durch ihre Länge zum Greifen mit zwei Händen besonders geeignet und erhöhen die Sicherheit deutlich.

Ein bedarfsgerechter Badumbau für Senior*innen kann auch bei der häuslichen Pflege viele Vorteile mit sich bringen. Mehr Platz im Bad und geringere Einstiegshöhen können den pflegenden Angehörigen und auch professionellen Pflegekräften die Arbeit enorm erleichtern, und dabei helfen, den Kraft- und Zeitaufwand bei der Körperpflege zu reduzieren.

Was versteht man unter barrierefrei, was bedeutet barrierearm?

Häufig werden die beiden Begriffe barrierearm oder barrierefrei synonym benutzt, aber es gibt Unterschiede in der Ausführung.

Für die Baunorm hat ein barrierefreies Bad eine bodengleiche Dusche, die stufenlos begehbar oder befahrbar ist bzw. keinen höher gelegenen Einstieg besitzt. Das Bad sollte so gestaltet sein, dass es für alle ohne fremde Hilfe zugänglich ist.

Dagegen hat ein barrierearmer Umbau „nur“ das Ziel, die vorhandenen Schwellen auf ein Minimum zu reduzieren.

Das zentrale Element barrierearmer sowie barrierefreier, seniorengerechter Badumbauten ist die Badewanne oder die Dusche.

Wie kann ich Badewanne & Dusche barrierearm umbauen?

Barrierearme Dusche | © Seniovo GmbH
Barrierearme Dusche | © Seniovo GmbH
Barrierearme Dusche | © Seniovo GmbH

Mit dem Fokus auf die Minimierung der Umbauzeit und der Umbaukosten, empfehlen Spezialist*innen drei Möglichkeiten, um die Badewanne oder Dusche seniorengerecht und altersgerecht umzubauen:

  1. Badewanne mit Einstiegstür: Eine vorhandene Badewanne kann gegen eine neue Badewanne mit Tür ausgetauscht werden oder es kann in die vorhandene Badewanne eine Tür eingesetzt werden. Mit dieser barrierearmen Lösung wird die Einstiegshöhe von über 55 cm auf unter 20 cm gesenkt. Die Bewohner*innen können weiterhin baden und duschen.
     
  2. Badewanne zur Dusche: Für den Umbau einer Wanne zur Dusche kann eine barrierearme (bodennahe) Dusche eingebaut werden. Bei der bodennahen Lösung ergibt sich eine Restschwelle von circa 10 bis 15 cm.
     
  3. Dusche zur Dusche: Für den Umbau einer Dusche mit einem hohen Einstieg zu einer barrierearmen Dusche ergibt sich ebenfalls eine Restschwelle von 10 bis 15 cm. 

 

Senior*innen können stehend duschen oder im Duschbereich einen Duschhocker oder Duschstuhl verwenden. Die Nutzung eines solchen Hilfsmittels ist angenehmen komfortabel und bietet ebenfalls ein Mehr an Sicherheit.

Für den Einbau einer Badewanne mit Tür oder das Einsetzen einer Tür in eine bestehende Badewanne muss man etwa einen Tag einplanen. Eine barrierearme Umgestaltung von der Badewanne / Dusche zur Dusche nimmt in der Regel 2 bis 3 Tage in Anspruch.

Zusätzlich besteht die Möglichkeit, die vorhandene Badewanne oder Dusche durch eine barrierefreie (ebenerdige) Dusche ohne Einstiegsschwelle zu ersetzen.

Die barrierefreie Version soll die größtmögliche Sicherheit für die Nutzung des Badezimmers bringen. Barrierefrei bedeutet hier, dass alle vorhandenen Schwellen beseitigt werden und genügend Bewegungsfreiheit geschaffen wird, um das Bad mit einem Rollstuhl oder Rollator befahr- bzw. nutzbar zu machen. Für den barrierefreien (ebenerdigen) Umbau und die damit verbundenen zusätzlichen baulichen Maßnahmen sind längere Umbauzeiten von 5 bis 7 Tagen und höhere Kosten einzuplanen.

Was muss ich zusätzlich beachten, wenn ich ein Bad seniorengerecht & altersgerecht umbauen will?

Um eine Pfützenbildung im Bad und ein dadurch verstärktes Eindringen von Duschwasser in den Untergrund zu vermeiden, sind festgelegte Mindestgefälle je nach verwendetem Material zu beachten. Allerdings erhöht ein zu steiles Gefälle die Rutschgefahr und die Nutzung eines Rollstuhls wird erschwert. Deshalb werden im Duschbereich zusätzlich rutschhemmende Bodenbeläge oder Fliesen verwendet.

In der Regel sind Waschbecken und WC während des barrierefreien Umbaus frei zugänglich. Baden oder Duschen kann man nach rund 24 Stunden nach Abschluss der Baumaßnahmen, wenn das Silikon der Fugen getrocknet ist.

Neben einer barrierearmen oder barrierefreien Teilsanierung kann auch eine Vollsanierung in Auftrag geben werden. Eine Vollsanierung des Bades dauert in der Regel 2 bis 3 Wochen und verursacht dementsprechend höhere Kosten.

Wer kann einen altersgerechten Umbau des Badezimmers für mich durchführen?

Es gibt Unternehmen, die sich auf den barrierearmen oder barrierefreien Umbau spezialisiert haben. Allerdings ist der reine Badumbau nur ein Baustein. Oftmals ist es noch wichtiger, die persönliche Situation mobilitätseingeschränkter und pflegebedürftiger Personen sowie deren helfende Angehörige und Pflegepersonal zu berücksichtigen und deren Wünsche und Anmerkungen in den Badumbau mit einfließen zu lassen.

Ein Qualitätsmerkmal ist also eine ausführliche Beratung und die Berücksichtigung der individuellen Situation und des persönlichen Bedarfs sowie die Begleitung der Kund*innen in jeder Phase des Umbauprojektes – von der Antragstellung bei der Pflegekasse und der Hausverwaltung bis hin zu den durchzuführenden baulichen Maßnahmen und der kompletten Abrechnung mit allen Beteiligten.

Mit Seniovo präsentieren wir Ihnen einen verlässlichen und kompetenten Partner an unserer Seite, der Ihnen bei allen Themen rund um den Badumbau behilflich ist. Seniovo übernimmt die Beratung, unterstützt Sie bei der Antragstellung von Zuschüssen zum Badumbau sowie bei allen benötigten Genehmigungen.

Welche Schritte sind konkret bis zu einem Badumbau notwendig?

Sie haben sich für ein barrierefreies Bad entschieden? Wir haben noch einmal für Sie festgehalten, wie Sie am besten vorgehen. Unser Kurzüberblick für Sie:

  • Beratung zum Umbau unter Berücksichtigung individueller Bedürfnisse
  • Begutachtung, Dokumentation und Aufmaß des Badezimmers
  • Erstellung eines Kostenvoranschlages
  • Antrag auf Zuschuss zum Badezimmer-Umbau bei Pflegekasse / Krankenkasse
  • ggf. Antrag einer KfW-Förderung für ein barrierefreies Bad
  • Einholen der Umbaugenehmigung bei der Hausverwaltung
  • Genehmigung und Baubeginn

Welche Förderungen gibt es für den altersgerechten Badumbau & ein barrierefreies Bad?

Über die Pflegekasse haben Sie auf Antrag und mit dem Einreichen eines Kostenvoranschlages ab dem Pflegegrad 1 einen Anspruch auf einen Zuschuss zum barrierefreien Bad in Höhe von 4.000 Euro für die Umbaumaßnahmen, wenn dadurch die häusliche Pflege vereinfacht oder die täglichen Abläufe der betroffenen Person erleichtert werden. Wenn in einem Haushalt mehrere Personen mit Pflegegrad leben, kann sich der Anspruch auf einen Zuschuss bis auf 16.000 Euro erhöhen.

Die gesetzlich vorgeschriebene Bearbeitungszeit beträgt seit dem 01.Januar 2021 für Anträge auf bauliche Umbaumaßnahmen drei Wochen. Sollte für den Leistungsentscheid ein medizinisches Gutachten notwendig sein, verlängert sich die Frist auf fünf Wochen.Wenn die Pflegekasse die Frist nicht einhalten kann, sollte sie dies der antragstellenden Person mit einer Begründung rechtzeitig schriftlich mitteilen. Andernfalls gilt die Leistung nach Ablauf der Frist als genehmigt.

Hilfestellungen bei der Beantragung erhalten Sie auch durch unseren kompetenten Partner Senovio, der sich nicht nur um Ihren Badausbau, sondern auch um die komplette Kommunikation mit Ihrer Pflegekasse kümmert.

Wenn Sie Ihr Badezimmer altersgerecht umbauen, gibt es eventuell auch einen Zuschuss der Krankenkasse: Für einige Hilfsmittel wie z.B. eine Toilettensitzerhöhung, kann die Krankenkasse unter Umständen die anfallenden Kosten übernehmen.

Gibt es weitere Förderungen für ein altersgerechtes Bad?

Mit einer Förderung durch die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) lassen sich zusätzliche Fördergelder auch ohne Pflegegrad beantragen. Zurzeit bietet die KfW zum Badumbau zwei Förderungen bzw. Zuschuss-Varianten für altersgerechte Umbaumaßnahmen an:

  1. Für Einzelmaßnahmen zur Barrierereduzierung kann ein KfW-Zuschuss zum Badumbau in Höhe von 10 % der förderfähigen Kosten bis zu einer Höhe von 5.000 Euro beantragt werden.
     
  2. Für umfangreichere Umbaumaßnahmen zur Barrierereduzierung kann im Rahmen des Förderstandard „Altersgerechtes Haus“ einen Zuschuss in von 12,5 % der förderfähigen Kosten bis zu einer Höhe von 6.250 Euro beantragt werden.


Die KfW-Zuschüsse für das Badezimmer sind altersunabhängig und können auch für den Kauf von umgebautem Wohnraum genutzt werden. Diese Förderungen können sowohl Mieter*innen als auch Eigentümer*innen beantragen.

Zu beachten ist, dass der Antrag vor Baubeginn erfolgen sollte, eine Förderung nur unter dem Vorbehalt verfügbarer Haushaltsmittel gewährt werden kann und dass kein Rechtsanspruch auf eine KfW-Förderung besteht.

Zusatzinformationen:

Die Grundnorm für das barrierefreie Bauen und Planen in Deutschland ist die DIN 18040.

Die DIN 18040 wird in drei Teile untergliedert. Mit dem zweiten Teil der Norm DIN 18040-2 wird die Planung und Errichtung von barrierefreien Wohnungen, insbesondere der Sanitärräume und die damit verbunden technischen Voraussetzungen geregelt. Außerdem enthält die Norm alle Definitionen zu den Begrifflichkeiten rund um die barrierefreie Umgestaltung.

 

Seniovo - Kooperationspartner für den Badumbau

www.seniovo.de


Wichtige Quellen:

Bundesgesundheitsministerium - Wohnumfeldverbessernde Maßnahmen
www.bundesgesundheitsministerium.de/leistungen-der-pflege/wohnumfeldverbessernde-massnahmen.html

 

Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) - Barriere­reduzierung – Investitions­zuschuss
www.kfw.de/inlandsfoerderung/Privatpersonen/Bestandsimmobilie/F%C3%B6rderprodukte/Altersgerecht-Umbauen-Investitionszuschuss-(455)/


Direkt zum Merkblatt – Barrierereduzierung – Investitionszuschuss (455-B)
www.kfw.de/PDF/Download-Center/F%C3%B6rderprogramme-(Inlandsf%C3%B6rderung)/PDF-Dokumente/6000004452_M_455_B.PDF

 

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