Anna-Lena Forster über ihren großen Traum und den Weg zum Ziel

Anna-Lena Forster, 22 Jahre, betreibt auf leistungssportlicher Ebene die Sportart Ski Alpin paralympisch und studiert gleichzeitig Psychologie. Am 15.06.1995 ist Anna-Lena Forster mit einer Femurhypoplasie am linken Bein und einer Amelie am rechten Bein auf die Welt gekommen. Femurhypoplasie bedeutet, dass ihr Oberschenkel stark verkürzt ist und im Schienbein auch Knochen fehlen. Das rechte Bein fehlt Forster komplett. Woher die Behinderung kommt, konnte ihr kein Arzt sagen. Nach dem Abitur nahm sie sich ein Jahr Zeit, um sich intensiv auf die Paralympics 2014 in Sotschi (RUS) vorbereiten zu können.

Ziel: Paralympics

Anna-Lena Forster über ihren großen Traum und den Weg zum Ziel

Anna-Lena Forster, 22 Jahre, betreibt auf leistungssportlicher Ebene die Sportart Ski Alpin paralympisch und studiert gleichzeitig Psychologie. Am 15.06.1995 ist Anna-Lena Forster mit einer Femurhypoplasie am linken Bein und einer Amelie am rechten Bein auf die Welt gekommen. Femurhypoplasie bedeutet, dass ihr Oberschenkel stark verkürzt ist und im Schienbein auch Knochen fehlen. Das rechte Bein fehlt Forster komplett. Woher die Behinderung kommt, konnte ihr kein Arzt sagen. Nach dem Abitur nahm sie sich ein Jahr Zeit, um sich intensiv auf die Paralympics 2014 in Sotschi (RUS) vorbereiten zu können.

Mehr Leben: Wie sind Sie auf den Skisport gekommen?

Anna-Lena Forster: Meine Eltern sind begeisterte Skifahrer und wollten das mit mir und meinem großen Bruder teilen. Mein Bruder lernte mit 3 Jahren das Skifahren und meine Eltern wollten auch mit mir diese Leidenschaft teilen. Auf einer Veranstaltung in unserer Region wurden diverse Sportarten für Menschen mit Behinderung vorgestellt, unter anderem wurde auch das Monoskifahren von der Paralympicsteilnehmerin und –medaillengewinnerin, Gerda Pamler, vorgestellt. Damals war ich jedoch noch ein Baby, sodass ein Skikurs noch nicht möglich war. Meine Eltern blieben aber mit Frau Pamler in Kontakt und mit 6 Jahren passte ich endlich mit vielen Polstern in die Sitzschale des Monoskis – dem ersten Skikurs stand nichts mehr im Weg. Es folgten drei weitere Skikurse, bis meine Skilehrerin Gerda Pamler mich fragte, ob ich nicht Lust hätte, ins deutsche Nachwuchsteam reinzuschnuppern. Da war ich sofort dabei und so fuhr ich mit 11 Jahren das erste Mal auf ein Trainingslager des deutschen Nachwuchsteams Para-Ski-Team Alpin. dem Team habe ich mich sofort wohl gefühlt und das Training hat mir auch Spaß gemacht, sodass ich dabei geblieben bin. Anfangs habe ich noch gar nicht an Wettkämpfe und Leistungssport gedacht, aber als ich dann meine ersten Rennen gefahren bin und mit 14 Jahren im paralympischen Jugendlager in Vancouver dabei war, um die Paralympics hautnah mit zu erleben, wusste ich, wo ich später selbst mal mitmachen möchte!

Mehr Leben: Welche anderen Interessen neben dem Wintersport haben Sie noch?

Anna-Lena Forster: Ich betreibe viele andere Sportarten (Trampolin, Bouldern/ Klettern, Handbiken, Schwimmen, Rollstuhlbasketball, etc.) und probiere jede Sportart aus! Ich reise gerne, höre gerne Musik, lese auch gerne mal ein Buch, treffe mich mit Freunden und verbringe Zeit mit unserem Familienhund.

Mehr Leben: Gab es Momente, in denen jemand aufgrund Ihrer körperlichen Beeinträchtigung an Ihrem Können gezweifelt hat? Vielleicht sogar Sie selbst? Wie konnten Sie das überwinden?

Anna-Lena Forster: Ich kann mich nicht erinnern, dass jemals jemand aufgrund meiner körperlichen Behinderung an meinem Können gezweifelt hat. Und ich selbst wurde von meiner Familie so gestärkt und unterstützt, dass auch bei mir nie Zweifel aufkamen.

Mehr Leben: Erhalten Sie viel Unterstützung aus Ihrem Sanitätshaus? Welche Leistungen beziehen Sie dort hauptsächlich?

Anna-Lena Forster: Unterstützung bekomme ich viel von meinem Sanitätshaus! Neben den „üblichen“ Versorgungen wie Rollstuhl und Prothese, hat sich das Sanitätshaus dazu bereit erklärt, mir meine Sitzschale für den Monoski zu bauen. Es war wirklich schwierig, eine Firma zu finden, die sich das zutraut, und deshalb war ich umso glücklicher, als das Sanitätshaus sich dem Bau der Schale angenommen hat!

Mehr Leben: Schule und gleichzeitig Leistungssport für viele Jahre. Wie funktionierte das? Kam da nicht eines von beiden zu kurz?

Anna-Lena Forster: Ja das war teilweise wirklich nicht einfach! Gerade als ich in die Oberstufe kam und es an die Abiturvorbereitung ging, kamen mir Zweifel. Ich hatte viele Fehlzeiten in der Schule aufgrund der vielen Trainingslager in den Bergen und den Wettkämpfen und zudem kam noch die ein oder andere schlechte Note, sodass ich mir nicht mehr sicher war, ob ich das alles schaffe. Aber ich habe mich dann durchgebissen, mir meine Ziele vor Augen gehalten und mich daran erinnert, dass ich schon so vieles geschafft habe. Meine Eltern und die Schule haben immer an mich geglaubt, was es mir deutlich leichter gemacht hat. Die einzige Bedingung der Schule war, dass meine Noten nicht schlechter werden dürfen.

Mehr Leben: Haben Sie bei all den Wettkämpfen immer die Qualifikation für die Paralympics vor Augen oder ist der Wettkampf selbst in dem Moment wichtiger?

Anna-Lena Forster: Ich habe immer Step-by-Step gedacht: Nach der Qualifikation für den Europacup kam die Konzentration auf die Qualifikation für den Weltcup und für die WM und nachdem ich dann eine Medaille bei der WM 2013 in Spanien geholt hatte, war natürlich das große Ziel die Qualifikation für die Paralympics. An diese Ziele denke ich beim Training. Das gibt mir Motivation, Ehrgeiz und die nötige Selbstdisziplin. Beim Wettkampf selbst versuche ich mich auf meine Fähigkeiten und meine Trainingsleistungen zu konzentrieren – die Gedanken an irgendwelche Qualifikationen setzen mich in dieser Situation zu sehr unter Druck.

Mehr Leben: Sie waren 2014 bei den Paralympics in Sotschi sowie bei den Weltmeisterschaften 2013, 2015 und 2017 schon sehr erfolgreich. Welche Ziele haben Sie für die diesjährigen Paralympics?

Anna-Lena Forster: Das große Ziel bei jedem Wettkampf ist natürlich: die Trainingsleistung umzusetzen. Wenn ich das schaffe, dürfte einer Medaille nichts mehr im Weg stehen. Mein Ziel ist auf jeden Fall die Goldmedaille im Slalom, denn das ist meine Lieblingsdisziplin, und generell möchte ich so viele Medaillen wie möglich abräumen.

Mehr Leben: Wie sehen Ihre Wettkampfvorbereitungen aus?

Anna-Lena Forster: Die Wettkampfvorbereitung über das ganze Jahr gesehen sieht folgendermaßen aus: Unsere Vorbereitung besteht aus dem Skitraining in den Bergen und dem Konditionstraining abseits der Pisten. Eine Saison endet meist Ende März mit den letzten Wettkämpfen und beginnt Ende April/ Anfang Mai wieder. Dazwischen haben wir ca. 3-4 Wochen Trainingspause. Nach dieser Trainingspause heißt es wieder Grundlagenausdauer aufbauen mit vielen und langen Einheiten auf dem Handbike, mit dem Rollstuhl oder im Wasser. Auch Kraft-, Stabilisations- und Koordinationstraining stehen dann wieder auf dem Trainingsplan. Insgesamt trainiere ich pro Tag 2-3 Stunden und das 6 Tage die Woche. Ab September geht es für uns dann wieder in die Berge für das Training auf den Ski. Solch ein Trainingslager geht 4-6 Tage. Zwischen den Trainingslagern sind wir meist eine Woche zu Hause. Die Zeit zu Hause nutzen wir für weiteres Konditionstraining. Im Dezember startet dann die Wettkampfsaison, die bis Mitte/ Ende März geht. Zwischen den Wettkampfblöcken sind zusätzlich noch Skitrainingslager. Diese gehen bis Mitte/ Ende Mai.

Die Wettkampfvorbereitung direkt vor dem Start – die sogenannte Startvorbereitung – ist individuell. Warm machen steht dabei natürlich bei jedem auf dem Plan. Ich gehe dann immer wieder noch den Lauf durch (durch den wir vor dem Rennen durchrutschen dürfen und uns besonders die Schlüsselstellen genauer anschauen und einprägen können). Zudem rufe ich mir nochmals ins Gedächtnis wie sich ein guter Schwung anfühlt und auf welche Bewegungen ich besonders achten muss. Das heißt ich konzentriere mich nochmals auf die Technik und versuche mir mit den Gedanken an einen guten Lauf ein gutes Gefühl zu geben. So kann ich mich am besten auf das Rennen und auf mich selbst fokussieren. Kurz vor dem Start gibt es dann noch Informationen per Funk von den Trainern, die auf der Strecke stehen. Bevor es dann wirklich auf die Strecke geht, klatsche ich mich noch mit meiner Teamkollegin und Konkurrentin ab.

Vielen Dank für das Interview. 

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