Höher, schneller, weiter: Der Berg ist ihr zuhause, der Gipfel das Ziel

Angelika Allmann – Sportwissenschaftlerin, gefragtes Sport-Model und erfolgreiche Sportlerin. Sie zählt zu den besten Trailrunning- und Skitourenläuferinnen in ganz Deutschland. eine außergewöhnliche Frau mit enormer Willensstärke, einer Extraportion Ehrgeiz und Biss.

Sport spielt im Leben von Angelika Allmann, genannt Gela, schon immer eine große Rolle. Ob Laufen, Schwimmen oder Fahrradfahren – ihr stark ausgeprägter Bewegungsdrang treibt sie immer wieder an. Bereits im zarten Alter von vier Jahren stand die heute 31-jährige Münchnerin das erste Mal auf Skiern. Bis sie jedoch ihre beiden großen Leidenschaften, das Berglaufen und das Skibergsteigen, entdecken würde, sollten noch einige Jahre vergehen. Allmanns Herz schlägt schon immer für die Berge. Sie sind ihr Rückzugsort – durchatmen und den stressigen Alltag einfach mal hinter beziehungsweise unter sich lassen. Diese Liebe führte die begeisterte Ausdauersportlerin zu gleich zwei neuen Sportarten, die ihr Leben komplett auf den Kopf stellen sollten: das Berglaufen – und wenig später das Skibergsteigen.

„Ich liebe die Ruhe, das abschalten, an nichts anderes zu denken, das Einssein mit der Natur, allein irgendwo rauflaufen und mich selbst spüren.“

Berglaufen ist ein extrem anspruchsvoller Laufwettbewerb in den Bergen. Das Bewältigen der großen Höhenunterschiede vom Tal bis zum Gipfel, bergauf, bergab und wieder bergauf – das ist die Herausforderung dabei. Inmitten der atemberaubenden alpinen Landschaft, auf schmalen Bergpfaden komplett auf sich allein gestellt und eins mit der Natur sein – für Allmann bedeutet das maximales Glück.

„Berge sind meine große Leidenschaft. Wenn ich auf einem Gipfel stehe, fühle ich mich frei, und alle Qualen des Aufstiegs sind sofort vergessen.“

Der Berg ruft aber auch im Winter. Deshalb heißt es in der kalten Jahreszeit umsatteln: Trailrunning-Schuhe werden gegen Tourenski ausgetauscht und weiter geht‘s. Die Münchnerin kann sich noch gut an ihre erste Skitour erinnern. Gemeinsam mit Freunden machte sich die damals 26-Jährige auf, die schneebedeckten Berge im Alpbachtal mit Tourenski und Fellen zu besteigen. Der Aufstieg war zwar beschwerlich, einmal oben angekommen, folgte jedoch prompt die Belohnung: pures Glücksgefühl – ausgeschüttet durch körpereigenes Endorphin. Danach die Abfahrt: Abseits der präparierten Pisten im Pulverschnee wartete eine technisch anspruchsvolle Strecke auf Allmann – Adrenalin pur. Nach dieser ersten Skitour war für sie klar, dass das ihre neue Leidenschaft sein wird.

Sie beginnt zu trainieren. Während sich andere Menschen noch im Tiefschlaf befinden, klingelt ihr Wecker manchmal bereits um halb fünf Uhr morgens. Oft trainiert sie auch noch abends nach der Arbeit. Zehn bis 20 Stunden pro Woche verbringt sie so neben ihrem Beruf als freie Journalistin auf dem Berg. Warum man sich das antut? Die Antwort fällt Allmann leicht: „Das Glücksgefühl, wenn man seine Grenzen überwunden hat und auf dem Gipfel steht, ist einfach überwältigend.“ Was folgt, sind zahlreiche Wettkämpfe. Das harte Training und ihr eiserner Wille zahlen sich aus: Gela Allmann gewinnt unter anderem den „Zugspitzlauf“, den „Kaisermarathon“ und den „Drei Zinnen Alpine Run“ in ihrer Altersklasse und landet im Skibergsteigen mehrfach auf dem Podium.

„Berglandschaften imponieren mir!“

Durch den Erfolg wird Allmann immer bekannter: Sponsoren werden auf sie aufmerksam und sie beginnt für das Team von Dynafit Deutschland zu laufen. Auch die Werbebranche hat ein Auge auf die attraktive Bergläuferin geworfen: Allmann wird immer häufiger als Model für Fotoshootings gebucht. Und es sollte auch ein Fotoshooting sein, das ihr Leben im April 2014 für immer veränderte... Die ambitionierte Bergsportlerin machte plötzlich einen falschen Schritt und stürzte in die Tiefe. Ungebremst schlitterte Allmann den Hang hinab – 800 Meter tief. Die katastrophale Diagnose: ein Trümmerbruch in der linken Schulter. Gerissenes Kreuzband, Innenband und Meniskus im linken Knie sowie eine komplette Sprengung des rechten Kniegelenks: Hier waren Meniskus, Knorpel, beide Kreuzbänder und das Außenband gerissen und der Schienbeinkopf zertrümmert. Im rechten Bein waren zudem sämtliche Muskeln, Bänder und Sehnen gerissen sowie der Peroneusnerv und die versorgende Hauptarterie. Wegen der damit verbundenen Blutung war dies auch die schwerwiegendste Verletzung. In der neunstündigen Notoperation in einem Klinikum in Reykjavik befürchteten die Ärzte zunächst, das Bein amputieren zu müssen.

Der Weg zurück

Doch Gela Allmann ist eine Kämpfernatur. Bereits nach einer Woche hatte sich ihr Zustand derart stabilisiert, dass sie ins Münchner Klinikum rechts der Isar geflogen werden konnte. Direkt nach dem Unfall muss sie zunächst weitere sechs Operationen über sich ergehen lassen. Aber das Unglaubliche passiert: Nach sage und schreibe zwei Wochen fängt sie mit der Reha an. Ihr Motto aus dem Sport gilt nun für alle Bereiche ihres Lebens: „Biting, biting, biting!“ Seitdem kämpft sich Gela Allmann zurück zu alter Stärke. Sie durchlebte dabei Höhen und Tiefen, musste viele weitere Operationen und eine Nerventransplantation überstehen. Doch eines verlor sie nie: ihren Mut und den Willen, niemals aufzugeben. Vier Monate nach dem schrecklichen Unfall steht Allmann wieder auf einem Berggipfel.

Aber nicht nur im Winter liebt Gela Allmann es aktiv zu sein, auch im Sommer locken sie die Berge: „Im Sommer Speed-Hike ich am liebsten auf den Wallberg am Tegernsee. Zum einen, weil er besonders schön ist und weil er von mir zu Hause aus so schnell zu erreichen ist und mich die Bahn dort auch trotz kaputter Knie wieder schnell und bequem vom Gipfel ins Tal bringt.“ Schon vor ihrem Unfall war Allmann oft dort und nutzte den Wallberg als Ausgangspunkt für längere Laufrunden.

Im Sommer 2015 hat Gela das Rennradfieber gepackt. Da Berglaufen und Skitouren körperlich noch nicht möglich waren, musste eine Alternative her. Und natürlich packte die Powerfrau auch hier der Ehrgeiz – und so war ihr erstes sportliches Highlight nach dem Unfall eine Renner-Transalp: von Garmisch bis Riva in drei Tagen über die Alpen.

 Schritt für Schritt zurück ins Leben

„Der Weg zurück beginnt in deinem Kopf: Mit mentaler Stärke zurück auf den Gipfel.“ „Ich bin nicht mehr die Alte, ich bin jetzt anders. Ich kann vieles nicht mehr, muss alles neu lernen.“ Ihr durchtrainierter Körper war plötzlich ein Trümmerhaufen. Gela musste erfahren, was es heißt, wenn sich das eigene Leben von einer Sekunde auf die andere vollkommen ändert. Was vorher noch selbstverständlich war – einen Schritt vor den anderen zu setzen – war plötzlich nicht mehr möglich. Aber Gela hat nicht aufgegeben. Auch wenn der Weg zurück viel Kraft gekostet hat – ihr Geheimnis sind ein starker Wille und positives Denken. Doch wie gelangen Mut und Zuversicht zurück, wenn einem etwas derart Schreckliches widerfahren ist? „Für mich war immer klar, ich will wieder auf dem Gipfel stehen.“

Verliere dein Ziel nicht aus den Augen

Aufgeben? Für Gela Allmann gab es nach ihrem schweren Sturz nur eine Option: kämpfen. Ein Leben ohne ihre beiden großen Leidenschaften, das Berglaufen und Skibergsteigen – für Allmann unvorstellbar. „Der größte Wunsch nach meinem Unfall war, dass ich wieder dieses Gefühl von unfassbarer Freiheit auf dem Gipfel eines Berges erleben darf“, erinnert sich Allmann. Dafür setzte sich die ehemalige Ausdauersportlerin Etappenziele, um immer wieder kleine Erfolge feiern zu können. Für die eigene Motivation ist es enorm wichtig, sich realistische Ziele zu setzen, die sich in relativ kurzen Zeitabständen erreichen lassen. Schritt für Schritt wächst nicht nur das Selbstvertrauen, auch der lange Regenerationsprozess wird so von vielen kleinen positiven Erfolgserlebnissen begleitet. Ein weiterer Motivationstipp von Gela Allmann ist das Visualisieren der gesetzten Ziele. In der ersten Woche nach ihrem schrecklichen Unfall bat sie ihren Freund darum, Fotos von ihr am Gipfel über das Krankenbett zu hängen. Aus diesen Momentaufnahmen des Glücks konnte Allmann für sich Kraft ziehen. „Für mich ist es total wichtig, dass ich mein Ziel vor Augen habe. Ich will sehen, wo ich wieder hin will.“

Mit Hilfe befreien

Natürlich gab es auch dunkle Momente – wie die ruhigen Abendstunden im Krankenhaus. Dann war sie allein mit ihren Gedanken. „Wenn der Besuch weg war, ist alles abgefallen, und ich habe jeden Abend geweint.“ Allmann bemerkt schnell, dass sie sich nicht allein aus dieser negativen Gedankenspirale befreien kann. „Ich habe in den ersten fünf Monaten mit einem Psychologen zusammengearbeitet. Für mich war das ein superwichtiger Schritt, den ich jedem empfehlen würde, der ein psychisches Trauma oder Schwierigkeiten hat, sich in einer neuen Situation zurechtzufinden“, sagt Gela Allmann.

Ein Gefühl von Sicherheit

In der schwierigen Zeit nach dem Unfall konnte sich Gela Allmann immer auf ihre Freunde und Familie verlassen. Nach dem Fall gaben sie ihr den nötigen Halt – ohne sie wäre Allmann sicherlich nicht da, wo sie heute ist. Neben der grenzenlosen Unterstützung ihrer Liebsten gab es noch etwas anderes, das wichtig war: Allmann musste wieder Vertrauen fassen. In ihren Körper und auch in sich selbst. Das schaffte sie auch dank der Produkte von Bauerfeind. Mithilfe ihrer Orthese kann die 31-Jährige heute wieder auf einem Gipfel stehen. Sie gibt Gela Allmann die nötige Stabilität für ihr Kniegelenk und ein Gefühl von Sicherheit: „Die Orthese ermöglicht es mir, meinen Sport wieder auszuüben, das macht mich überglücklich. Mit ihr kann ich mich auch am Berg sicher bewegen.“

Die Kraft der positiven Gedanken

Gerade in schwierigen Lebensphasen ist es nicht einfach, positive Gedanken zu fassen und zuversichtlich in die Zukunft zu blicken. Jeder kennt diese Tage, an denen man morgens gut gelaunt aufwacht – einfach so, ohne einen bestimmten Grund. Ein Tag, der mit positiven Gedanken beginnt, wird meist ein schöner. Daneben gibt es aber auch Tage, an denen man aktiv daran arbeiten muss, die eigenen Gedanken in die richtigen Bahnen zu lenken. Allmanns Trick: „Man sollte immer auch auf seine Habenseite schauen. Ich habe meine Freunde und meine Leidenschaft, die Berge, mit denen ich so viele wunderschöne Erinnerungen verbinde. Diese treiben mich an und geben mir auch in schwächeren Momenten die nötige Energie, nicht aufzugeben.“

An schwierigen Situationen wachsen

Der Weg zurück: ein Wechselbad der Gefühle. „Da ist diese riesige Freude über die vielen Fortschritte, die man während des gesamten Regenerationsprozesses durchläuft. Auf der anderen Seite gerät man aber immer wieder in Situationen, die einen an den Unfall erinnern.“ Doch wie schafft es Gela Allmann, nach diesem traumatischen Erlebnis in Island wieder auf einem Berg zu stehen? Woher nimmt sie den Mut, sich wieder in einen steilen, eisigen Hang zu stellen? Und wie geht sie mit ihrer Angst um? „Ich würde nicht sagen, dass ich keine Angst mehr habe. Mut heißt nicht, keine Angst mehr zu haben, sondern nur den Gedanken im Kopf zu haben, dass einem etwas anderes wichtiger ist. Ohne dabei ein Risiko einzugehen“, erklärt Almann. Der Wunsch, wieder die „alte“ Gela zu werden, sich zu bewegen und mit Freunden wieder Sport zu machen, ist in ihrem Fall einfach stärker. Für sie war immer klar, dass sie eines Tages wieder dort oben stehen will, also musste sie einen Weg finden, mit Angstsituationen umzugehen. Einfach weitergehen, Schritt für Schritt, um am Ende das Ziel zu erreichen. „Letztendlich geht es immer darum, seine inneren Blockaden zu überwinden. Man muss einfach machen. Am Ende bringt dich jede Situation, die du meisterst, weiter“, sagt Gela Allmann. Die Powerfrau lässt sich nicht von ihrer Angst beherrschen, sie hat gelernt, ihre Angst in Respekt umzuwandeln.

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