Laufanalyse des Gangbildes – Wann ist sie sinnvoll?

Der aufrechte Gang des Menschen beruht auf einem komplexen Zusammenspiel des Körpers. An ihm sind nicht nur der Bewegungsapparat, sondern auch das Nervensystem und die Sinnesverarbeitung maßgeblich beteiligt.

Bei Beschwerden mit der Hüfte, bei schmerzhaften Bewegungen oder einer fehlerhaften Haltung ermöglicht die Laufanalyse durch unterschiedliche Messverfahren, krankhafte Unterschiede zum normalen Gangmuster zu erkennen und gibt Hinweise auf die jeweilige Krankheitsursache.

Sie möchten auch eine Ganganalyse durchführen lassen? Besuchen Sie uns im Seeger aktiv-Lauflabor in Steglitz (Kieler Straße 1, 12163).

Wie wird eine Ganganalyse durchgeführt?

Es gibt verschiedene Formen von Ganganalysen, die sich im Laufe der Zeit durch die verbesserte Computertechnologie immer weiter verfeinert haben. Kernstück der Ganganalyse ist die visuelle Dokumentation des Bewegungsablaufes beim Gehen. Sie erfolgt meist auf einem speziellen Laufband. Dabei wird mit Hilfe einer Kamera das Gehen bzw. Laufen von allen Seiten aufgezeichnet und zwar einmal barfuß und einmal mit Schuhwerk.

Die Kamera-Aufzeichnung dauert einige Minuten, wobei der Betroffene auf der Haut an anatomisch wichtigen Stellen mit abwaschbarer Farbe Markierungen erhält, z.B. im Bereich der Achillessehne. Sie dienen zur Achsenbestimmung und als optischer Fixpunkt für die Filmaufzeichnung, die dann digital gespeichert und mit moderner Technik ausgelesen wird.

In einem weiteren Schritt kann über eine sogenannten Kraftmessplatte oder über elektrische Ableitungen der muskulären Aktivität, dem EMG, die Ganganalyse noch weiter „aufgefächert“ werden, was besonders bei schwierigen und insbesondere neurologischen Beeinträchtigungen von großer Wichtigkeit ist.

Ganganalyse zur Beurteilung reicht nicht aus

Für die Laufanalyse gilt, dass die Interpretation der Daten aus dem Ganglabor allein für eine Diagnose nicht ausreicht. Die Auswertung der Ergebnisse aus der Laufanalyse erfolgt nur dann stimmig, wenn auch eine körperliche Untersuchung und ein klärendes Gespräch mit dem Patienten über dessen Beschwerden und die individuelle Krankheitsgeschichte durchgeführt wird.

Welche Informationen liefert eine Laufbandanalyse?

Die Datenanalyse erlaubt dann eine dreidimensionale und zeitliche Rekonstruktion des Gangbildes. Dazu werden gleichzeitig Alter, Größe und Gewicht des Betroffenen in den Rechner „eingespeist“.

Durch die Analyse des Gangs auf dem Laufband erhält man Informationen über:

  • Schrittlänge 
  • Schrittfrequenz
  • Gehgeschwindigkeit
  • Gelenkwinkel bzw. die auf die Gelenke einwirkenden Kräfte
  • Muskelaktivität
  • Energieverbrauch


Auf diese Weise lassen sich die unterschiedlichen Abschnitte der Stand- und Schwungphase und die Ausrichtung der Gelenke genau analysieren, etwa um zu sehen, ob die Schrittfolge regelmäßig ist, der Fuß falsch belastet oder nur unvollständig abgerollt wird, nach innen oder außen abknickt.

Wozu dient die Bewegungsanalyse?

  • Bestimmung von Komplikationen bei der Prothesenversorgung oder dem Einsatz künstlicher Knie- und Hüftgelenke (Gelenksimplantation)
  • Erkennung von Verletzungen wie Bänderrissen, die sich im Röntgen nicht immer gut darstellen lassen
  • Erkennung von Fehlbelastungen und Ursachen wie Fehlstellungen der Füße, die z.B. mit orthopädischen Schuhen ausgeglichen werden können
  • Identifizierung von übermäßigem Gelenkverschleiß beispielsweise am Sprunggelenk (Arthrose)
  • Identifizierung chronischer Gelenksentzündungen


Fehlerhafte Bewegungsabläufe und Gangstörungen können aber auch durch Nervenschädigungen bzw. Fehlverarbeitungen von Sinnesreizen entstehen. Die Gangbildanalyse gibt dabei wichtige Erkenntnisse auf das Vorliegen und die Schwere von:

  • Gleichgewichtsstörungen, die etwa aufgrund von Innenohrschädigungen entstehen
  • Bewegungsstörungen bei Kindern, den sog. zerebralen Bewegungsstörungen, die durch Schädigungen des Gehirns bedingt sind 
  • Schlaganfälle
  • Tumorleiden
  • Multipler Sklerose 
  • Morbus Parkinson

Ganganalyse-Kostenübernahme: Krankenkassen zahlen selten

Die Kosten für eine Gangbildanalyse werden in der Regel von den gesetzlichen Krankenkassen nicht übernommen. 

Ausnahme: Die Analyse erfolgt im Rahmen einer medizinischen Rehabilitationsmaßnahme bzw. als Teil einer Prothesenanpassung. Auch bei anderen schwerwiegenden Krankheitsbildern oder bei einem kompliziertem Krankheitsverlauf ist im Einzelfall eine Kostenerstattung möglich. Klären Sie die Kostenübernahme mit dem zuständigen Sachbearbeiter Ihrer Krankenkasse und lassen Sie sich eine ärztliche Verordnung ausstellen, die die medizinische Notwendigkeit belegt.

Als Sportler eine Lauf- und Ganganalyse anfertigen lassen

Viele Sportler, insbesondere Läufer, nutzen die Ganganalyse zur Überprüfung und Verbesserung ihrer Lauftechnik und der Auswahl geeigneten Schuhwerks. So werden Ganganalysen inzwischen nicht nur im Ganglabor in bestimmten Kliniken, Arztpraxen und Sanitätshäusern angeboten, wo gleichzeitig die Spezialisten für Prothesen, Einlagen und Schuhversorgung zu finden sind, sondern auch in manchen Sportgeschäften.

Wie sinnvoll ist eine Gangbildanalyse?

Nehmen wir als Beispiel einen Beckenschiefstand, der aufgrund ungleicher Schulterhöhe entsteht, was wiederum eine Fehlbelastung der Füße bedingt. Eine Fersenerhöhung durch eine orthopädische Schuheinlage wäre nur von Nutzen, wenn der Beckenschiefstand durch zwei unterschiedlich lange Beine verursacht wird. Hier ist das nicht der Fall und daher würde die beteiligte Muskulatur durch eine Fersenerhöhung sogar noch weiter geschwächt werden.

Tatsächlich werden weit weniger häufig, als man denkt, Schmerzen und Bewegungseinschränkungen durch Veränderungen bzw. Schädigungen der Knochen- und Gelenkstruktur bedingt. Die Ursache sind meistens Fehlhaltungen und muskuläre Verspannungen. Hier kann eine Gangbildanalyse für Klarheit sorgen.

Lassen Sie einen geschulten Arzt entscheiden, ob eine Ganganalyse in Ihrem Fall sinnvoll ist. Der Arzt sollte am besten spezialisiert sein auf dem Gebiet der Orthopädie und/oder der Sportmedizin. Auch Physiotherapeuten und Osteopathen haben durch ihre Berufsausbildung und Praxis eine genaue Kenntnis über körperliche Bewegungszusammenhänge und -abläufe.

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