Schulterschmerzen – jeder Zehnte ist betroffen

Die Schulter, oder besser gesagt das Schultergelenk, ist das beweglichste Gelenk des menschlichen Körpers. Diese enorme Beweglichkeit ermöglicht uns einiges, macht die Schulter aber auch besonders anfällig.

Schulterschmerzen gehören zu den häufigsten Gelenkbeschwerden

Schulterschmerzen treten bei weiblichen und männlichen Personen jeder Altersgruppe auf. Sie gehören – neben Rücken- und Nackenschmerzen – zu den häufigsten orthopädischen Beschwerden. Dabei strahlen die Schmerzen oft sogar in den Nacken und den gesamten Arm bis hin zu den Fingern aus. Bei etwa der Hälfte der Betroffenen lassen sie innerhalb von sechs Monaten nach. Manche Menschen haben aber auch über viele Jahre Beschwerden.

Die Ursachen für Schulterschmerzen sind aufgrund der komplexen Anatomie des Schultergelenks vielfältig; in der Mehrzahl aller Fälle resultieren sie aber nicht aus einer Erkrankung des Schultergelenks selbst. Oft sind es schulternahe Bereiche wie Bänder, Sehnen oder die Muskulatur des Schultergürtels, die Schmerzen auslösen. Häufig haben vermeintliche Schulterschmerzen ihren wahren Ursprung an der Halswirbelsäule. Ausstrahlende Schmerzen in der Schulter können auch infolge von eingeklemmten Nerven oder eines Bandscheibenvorfalls in der Halswirbelsäule auftreten. Auch Schmerzen, die im Handgelenk beginnend bis in die Schulter hinauf ausstrahlen, etwa beim Karpaltunnelsyndrom, sind möglich.

Die größten Feinde der Schulter sind eine schlechte Haltung und wenig Bewegung, wie es beispielweise bei sitzenden Tätigkeiten oft der Fall ist. Denn dies führt schnell zu einer falschen Stellung des Gelenks, zu Muskelverspannungen oder sogar zu einem Verkümmern der inaktiven Muskeln. In einem solchen Fall können schon die kleinsten Belastungen die Schulter reizen und überlasten. Darüber hinaus ist eine unzureichende Vorbereitung des Körpers auf neue und fordernde Aktivitäten oft Auslöser der Probleme.

Die häufigsten Ursachen von Schulterschmerzen sind:

  • Muskelverspannungen
  • Veränderungen oder Erkrankungen von Knochen, Gelenken und Knorpeln
  • Verschleiß (Arthrose)
  • Schwächung von Sehnen und Gleitgeweben
  • Haltungsschäden oder Überanstrengung
  • Muskel- und Bandverletzungen
  • Stoffwechselerkrankungen (z. B. Diabetes) oder Entzündungen
  • Erkrankungen der Schilddrüse
  • Trauma und Unfall
  • Tumore (eher selten)

Mit gezieltem Muskeltraining können Sie Schulterschmerzen und einem frühem Verschleiß der Schulter vorbeugen. Hierfür eignen sich zum Beispiel Schulterübungen, die Sie auch zu Hause selbst regelmäßig durchführen können. Auch Krafttraining im Fitnessstudio ist eine Möglichkeit: Achten Sie aber darauf, dass ein ausgebildeter Trainer Sie in die Geräte einweist, und gehen Sie es ruhig an: Überlastung kann schnell zu Schulterschmerzen führen.

Gut zu wissen:

Machen Sie regelmäßig kurze Pausen von der Arbeit am Schreibtisch und lockern Sie den Schulter- und Nackenbereich durch Entspannungsübungen, gerne auch bei einem kurzen Spaziergang. Achten Sie grundsätzlich auf die richtige Haltung. Schonen Sie Ihr Schultergelenk, indem Sie keine schweren Lasten tragen, Übergewicht reduzieren und einseitige Belastungen vermeiden.

Was kann ich selbst tun?

Die genaue Ursache für Schulterschmerzen herauszufinden, gelingt nicht immer. Schulterschmerzen sind so individuell wie kaum eine andere Krankheit. Dennoch können viele Erkrankungen im Frühstadium effektiv behandelt werden. Meist sind Physiotherapie oder physikalische Therapie vollkommen ausreichend.

Zudem ist es zunächst einmal sinnvoll, den Arm zu schonen und schmerzauslösende Tätigkeiten zu vermeiden. Vielen hilft es, die Schulter zu kühlen. Vermeiden Sie es zudem, auf der betroffenen Seite zu schlafen oder zu liegen. Die Schulter zu schonen, heißt aber nicht, sie ruhigzustellen – in der Regel ist es wichtig, sie weiter zu bewegen. Eine Ruhigstellung kann die Muskulatur schwächen und sogar dazu führen, dass die Schulter steif wird. Verschiedene Übungen können dabei helfen, die gesunde Beweglichkeit der Schulter zurückzuerlangen.

Tipp: Eine einfache Übung zur schonenden Mobilisierung der Schulter: Halten Sie sich mit dem schmerzfreien Arm an einem Stuhl/Tisch fest, beugen Sie den Oberkörper etwas vor und lassen Sie den anderen Arm herunterhängen. Versuchen Sie den gesamten herunterhängenden Arm sanft zu kreisen oder hin und her pendeln zu lassen. Diese Übung kann zwei- bis dreimal am Tag für ein bis zwei Minuten wiederholt werden.

Bei starken Beschwerden werden zuweilen entzündungshemmende Schmerzmittel eingenommen, jedoch nicht länger als zwei Wochen. Alternativ bieten sich Cremes und Gele mit Diclofenac an.

Chronisch oder akut?

Für die Therapie der Schulterschmerzen ist es sehr wichtig, zwischen chronischen und akuten Schmerzen zu unterscheiden: Während akute Schulterschmerzen oft schon durch Schonung gelindert werden, geht es bei chronischen Schulterschmerzen häufig darum, die Entzündungen unter Kontrolle zu bekommen und eine Schultersteife zu verhindern. Dabei wird eher medikamentös und mithilfe von Physiotherapie vorgegangen. Risse und Brüche etwa zählen hingegen zu den akuten Schmerzen und müssen gegebenenfalls sogar operativ refixiert werden.

In manchen Fällen sind akute und chronische Schulterschmerzen nicht eindeutig zu trennen, denn oft stellen sich Schulterschmerzen schleichend ein. Das kann beispielswies nach einem Sturz der Fall sein. Dauern die Schmerzen länger als 3 Monate, spricht man von chronischen Schulterschmerzen.

Schulterbandagen aktivieren die Selbstheilungskräfte

Auch Bandagen oder -orthesen können dem Schultergelenk bei speziellen Krankheitsbildern dabei helfen, zu heilen. Während die Schulterorthese beispielsweise nach dem Wiedereinrenken der Schulter oder einer OP komplett ruhigstellt, stabilisiert eine Bandage das Gelenk, wenn es wieder belastet werden darf. Die Schulter ist mit der Schulterbandage geschützt und trotzdem beweglich. Durch Kompression und Massage können Bandagen neuen Entzündungen und Verletzungen vorbeugen. Das elastische Material der Bandage liegt direkt auf der Haut auf und übt so einen leichten Wechseldruck auf das darunter liegende Gewebe aus. Das regt die Durchblutung an und aktiviert die Selbstheilungskräfte. Auch präventiv können Bandagen vor Überlastungen schützen. Hier ist es unbedingt angesagt, sich ärztlich oder vom Fachpersonal im Sanitätshaus beraten zu lassen.

Auch die sogenannte „CPM-Therapie“ gilt seit vielen Jahren als Stand der Wissenschaft. Sie kommt in der Regel nach einem gelenkchirurgischen Eingriff zum Einsatz: Dabei wird ein Gelenk, das vorübergehend nicht aktiv vom Patienten oder der Patientin bewegt werden kann, passiv schonend und regelmäßig mithilfe von motorbetriebenen Bewegungsschienen bewegt, um Verklebungen zu verhindern. Die CPM-Therapie wird seit über 20 Jahren im stationären Bereich und seit über 10 Jahren im ambulanten Bereich mit großem Erfolg eingesetzt.

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